Zeitalter nach der europäischen Epocheneinteilung der Geschichtswissenschaft. Sie werden aus dem Datum eines Eintrags berechnet und sind ein Zeitband: Ein Eintrag aus China oder Mesoamerika liegt im selben Band, gehört deshalb aber nicht zur europäischen Geschichte.
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1505
Nihil novi: Polens König darf nicht mehr allein Gesetze erlassen
Auf dem Sejm in Radom nimmt Polen 1505 die Akte Nihil novi an: Nichts Neues ohne gemeinsame Zustimmung. Die Gesetzgebung geht von der Krone an ein Zweikammerparlament über — vertreten ist darin allerdings der Adel, nicht das Land. -
1628
Karl I. stimmt der Petition of Right zu
Am 7. Juni 1628 stimmte Karl I. einer Petition beider Häuser zu. Sie erklärte Steuern ohne Parlament, Haft ohne Grund, Zwangseinquartierung und Kriegsrecht gegen Zivilisten für rechtswidrig. -
1689
Das Bill of Rights bindet die englische Krone an das Parlament
Am 16. Dezember 1689 erhält in England das Bill of Rights die königliche Zustimmung. Es erklärt die Kernrechte der Krone für rechtswidrig — Gesetze auszusetzen, Steuern zu erheben, ein stehendes Heer zu unterhalten — soweit das Parlament nicht zustimmt. -
1789
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gilt bis heute
1789 stimmt die französische Nationalversammlung Artikel für Artikel über siebzehn Sätze ab. Sie gewähren keine Rechte, sondern erklären sie für vorgefunden — und gelten in Frankreich bis heute als Verfassungsrecht. -
1893
Neuseeland führt als erstes Land das Frauenwahlrecht ein
Am 19. September 1893 unterzeichnet der Gouverneur von Neuseeland ein Wahlgesetz, das allen Frauen das Stimmrecht bei Parlamentswahlen gibt. Vorausgegangen sind sieben Jahre Kampagne und eine Petition mit knapp 32.000 Unterschriften. -
1933
Reichstagsbrand: Tags darauf werden Grundrechte ausgesetzt
Am Abend des 27. Februar 1933 brannte der Berliner Reichstag. Schon am nächsten Tag setzte die Reichstagsbrandverordnung zentrale Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft; wer das Feuer legte, ist bis heute umstritten. -
1933
Berufsbeamtengesetz: Jüdische Beamte müssen 1933 in den Ruhestand
Am 7. April 1933 verabschiedete die Reichsregierung das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Sein „Arierparagraph“ schickte Beamte „nicht arischer Abstammung“ in den Ruhestand; Ausnahmen galten vorerst für Frontkämpfer. -
1935
Nürnberger Gesetze: Juden verlieren 1935 die politischen Rechte
Am 15. September 1935 verabschiedete der Reichstag in Nürnberg das Reichsbürgergesetz und das „Blutschutzgesetz“. Juden verloren die politischen Rechte, Ehen mit Nichtjuden wurden verboten. -
1938
Novemberpogrome 1938: Synagogen brennen im ganzen Deutschen Reich
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten im ganzen Deutschen Reich Synagogen; mehr als 30.000 jüdische Männer kamen in Konzentrationslager. Die NS-Führung gab die gelenkte Gewalt als spontanen „Volkszorn“ aus. -
1941
Judenstern: Polizeiverordnung kennzeichnet Juden ab 1941
Mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 mussten Juden im Deutschen Reich ab sechs Jahren einen gelben Stern tragen. Wenige Wochen nach ihrem Inkrafttreten begannen die Deportationen aus Berlin. -
1948
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: niemand stimmt dagegen
Am 10. Dezember 1948 nimmt die Vollversammlung der Vereinten Nationen in Paris die Resolution 217 A (III) an, ohne Gegenstimme bei acht Enthaltungen. Sie hat dreißig Artikel. Bindend ist der Text nicht — wirksam wurde er trotzdem. -
1949
Der Parlamentarische Rat verkündet das Grundgesetz
Am 23. Mai 1949 wird in Bonn das Grundgesetz verkündet. Es heißt absichtlich nicht Verfassung: Es sollte gelten, bis sich ein wiedervereinigtes Deutschland eine gemeinsame gibt. Aus dem Provisorium wurde das langlebigste Verfassungswerk der deutschen Geschichte. -
1957
Sechs Staaten unterzeichnen die Römischen Verträge
Am 25. März 1957 gründen sechs Staaten in Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Euratom. Es sind Belgien, die Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Nach dem Scheitern der politischen Union führt der Weg über den gemeinsamen Markt. -
1989
Ein Versprecher öffnet die Berliner Mauer
Am Abend des 9. November 1989 sagt Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz, eine neue Reiseregelung gelte "sofort, unverzüglich". Gedacht war sie für den nächsten Tag. Wenige Stunden später öffnet ein Grenzoffizier ohne Befehl den Übergang Bornholmer Straße. -
1994
Südafrika wählt zum ersten Mal ohne Rassenschranke
Am 27. April 1994 stimmen in Südafrika erstmals alle Staatsbürger auf einem gemeinsamen Wählerverzeichnis ab. Der ANC erhält 62,65 Prozent, Nelson Mandela wird am 9. Mai zum Präsidenten gewählt. Die Angaben zur Zahl der Wähler gehen auseinander. -
2009
Der Vertrag von Lissabon tritt in Kraft
Am 1. Dezember 2009 tritt der Vertrag von Lissabon in Kraft. Er gibt dem Parlament gleiches Gewicht neben dem Rat, macht die Grundrechtecharta verbindlich und schafft die Europäische Bürgerinitiative. -
2020
Brexit: Das Vereinigte Königreich verlässt die Europäische Union
Am 31. Januar 2020 schied das Vereinigte Königreich als erster Mitgliedstaat aus der Europäischen Union aus. Es folgte eine elfmonatige Übergangszeit, in der EU-Recht weiter galt. -
2020
Chile stimmt für eine neue Verfassung — und bekommt sie nicht
Am 25. Oktober 2020 stimmen 78 Prozent der Chilenen dafür, die Verfassung aus der Pinochet-Zeit zu ersetzen. Zwei Entwürfe scheitern danach an der Urne, 2022 und 2023. Geblieben ist die Verfassung von 1980. -
2023
Der Bundestag begrenzt sich auf 630 Sitze
Am 17. März 2023 beschließt der Bundestag ein Wahlrecht ohne Überhang- und Ausgleichsmandate, das ihn auf 630 Sitze begrenzt. Karlsruhe billigt 2024 den Kern, erhält aber die Grundmandatsklausel; bei der Wahl 2025 bleiben 23 Wahlkreissieger ohne Sitz. -
2025
Südkoreas Verfassungsgericht setzt Präsident Yoon ab
Am 4. April 2025 bestätigte Südkoreas Verfassungsgericht einstimmig die Amtsenthebung von Präsident Yoon Suk-yeol. Er hatte am 3. Dezember 2024 das Kriegsrecht verhängt; das Parlament hob es in derselben Nacht auf.