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Novemberpogrome 1938: Synagogen brennen im ganzen Deutschen Reich

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In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten im ganzen Deutschen Reich Synagogen; mehr als 30.000 jüdische Männer kamen in Konzentrationslager. Die NS-Führung gab die gelenkte Gewalt als spontanen „Volkszorn“ aus.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten im ganzen Deutschen Reich Synagogen und andere jüdische Einrichtungen.14 Angehörige von SS, SA und Hitlerjugend griffen auf Befehl der NS-Führung jüdische Gemeinden an,4 jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden zerstört und geplündert, Friedhöfe verwüstet.2 Mehr als 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt.13 Gewalt und Zerstörung dauerten noch Tage an,2 obwohl Goebbels nach Rücksprache mit Hitler am Nachmittag des 10. November anwies, die Ausschreitungen zu beenden.3

Als Vorwand diente den Nationalsozialisten der Tod Ernst vom Raths, Legationssekretär an der deutschen Botschaft in Paris: Der siebzehnjährige Herschel Grynszpan hatte ihn am Morgen des 7. November angeschossen, am Nachmittag des 9. November starb er.1 Ende Oktober 1938 hatte das Regime etwa 17.000 Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit verhaften und an die polnische Grenze bringen lassen;3 unter ihnen waren Grynszpans Eltern.1 Am 9. November war nahezu die gesamte NS-Führung versammelt, um den Hitlerputsch von 1923 zu feiern.3 Goebbels hielt dort eine antisemitische Rede2 und forderte gegen 22 Uhr die anwesenden Gauleiter und SA-Führer auf, dafür zu sorgen, dass Grynszpans Tat nicht ungesühnt bleibe.3 Als Entscheidung Hitlers gab er aus, die Partei solle solche Demonstrationen weder vorbereiten noch organisieren, ihnen aber, soweit sie spontan entstünden, auch nicht entgegentreten.2 Kurz vor Mitternacht ließ Gestapo-Chef Heinrich Müller per Fernschreiben die Festnahme von 20.000 bis 30.000 Juden vorbereiten.23

Mindestens 1.400 Synagogen in Deutschland und Österreich wurden stark beschädigt oder zerstört;14 nach Anselm Faust wurden in Deutschland die meisten der ca. 400 Synagogen in Brand gesteckt oder demoliert.2 Nach heutigem Forschungsstand wurden 1.406 Synagogen und Betstuben zerstört und 191 Synagogen in Brand gesteckt.5 Das Regime gab 91 Tote an, die tatsächlichen Zahlen lagen weit höher;3 Faust nennt an die 100 Ermordete,2 die Konrad-Adenauer-Stiftung 1300 bis 1500 Juden, die getötet, in den Selbstmord getrieben wurden oder danach in den Lagern starben.3 Den jüdischen Gemeinden wurde eine „Sühneleistung“ von einer Milliarde Reichsmark auferlegt,1 an der sich jeder Jude mit 20, später 25 Prozent seines Vermögens zu beteiligen hatte.2 Ihre Versicherungsansprüche fielen an das Reich, die Schäden mussten sie auf eigene Kosten beheben.21 Zwischen Herbst 1938 und Kriegsbeginn im September 1939 verließen fast ebenso viele Juden das Deutsche Reich wie in den fünfeinhalb Jahren zuvor.2

Die Nationalsozialisten nannten die Vorgänge „Judenaktion“;2 der Name „Reichskristallnacht“ spielt auf die zerbrochenen Schaufensterscheiben an.14 Faust hält ihn für verharmlosend, auch wenn er nicht vom Regime stammt, und sieht ihn zunehmend durch den Begriff ersetzt.2

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