Der Internationale Militärgerichtshof verkündet die Nürnberger Urteile
Am 30. September und 1. Oktober 1946 verkündet der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg seine Urteile. Er verhängt zwölf Todesstrafen und sieben Haftstrafen und spricht drei Angeklagte frei. Zum ersten Mal werden Staatsführer persönlich völkerrechtlich zur Verantwortung gezogen.
Am 30. September und 1. Oktober 1946 verkündete der Internationale in Nürnberg seine Urteile.2 Von den Angeklagten wurden zwölf zum Tode verurteilt, drei zu lebenslanger Haft, vier zu Haftstrafen von zehn bis zwanzig Jahren, drei wurden freigesprochen.1 Die Freisprüche ergingen für Hjalmar Schacht, Franz von Papen und Hans Fritzsche.1
Errichtet hatten die Alliierten das Gericht im August 1945; zuständig war es für , Kriegsverbrechen und .2 Der Hauptprozess begann am 20. November 1945 gegen 24 Hauptkriegsverbrecher und sechs Organisationen des NS-Staates.2 Vor Gericht standen am Ende 21 der 24 Angeklagten: Robert Ley nahm sich vor Prozessbeginn das Leben, das Verfahren gegen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt, und gegen Martin Bormann wurde in Abwesenheit verhandelt.3,4,5 Angeklagt wurde nach vier Punkten: gemeinsamer Plan und Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit.3
Zehn Todesurteile wurden am 16. Oktober 1946 in einer Turnhalle auf dem Gelände des Nürnberger Gefängnisses vollstreckt.1,2 Hermann Göring nahm sich Stunden zuvor das Leben, Martin Bormann war in Abwesenheit verurteilt worden.1,2 Die Inhaftierten kamen am 18. Juli 1947 in das alliierte Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau.1
Erstmals wurden führende Vertreter eines Staates persönlich für Verletzungen des Völkerrechts zur Rechenschaft gezogen.3 Der amerikanische Hauptankläger Robert H. Jackson nannte es in seiner Eröffnungsrede am 21. November 1945 eines der bedeutsamsten Zugeständnisse, die die Macht je der Vernunft eingeräumt habe, dass die Sieger ihre gefangenen Feinde dem Richtspruch der Gesetze übergaben.3 1950 formulierte die Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen die Nürnberger Prinzipien; der erste Nürnberger Prozess bereitete dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag den Weg.3 Zwischen 1946 und 1949 folgten zwölf weitere Prozesse vor amerikanischen Militärgerichten gegen Ärzte, Juristen, Industrielle und SS-Angehörige.2,3
Siehe auch
- Die Haager Landkriegsordnung begrenzt die Mittel des Krieges 1907 Die Regeln, deren Bruch hier zum ersten Mal persönlich geahndet wurde.
- Das Rom-Statut schafft einen ständigen Strafgerichtshof 1998 52 Jahre später wurde daraus ein ständiges Gericht.
- Politik Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: niemand stimmt dagegen 1948 Zwei Jahre später derselbe Gedanke, diesmal als Anspruch statt als Urteil.
Hierher verwiesen
- Literatur Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026 geht an Philippe Sands 2026 In Nürnberg wurden Verbrechen gegen die Menschlichkeit abgeurteilt, deren Entstehung Sands beschreibt.
- Den Haag verurteilt einen Kommandeur der Séléka wegen Folter in Bangui 2026 Wo der Tatbestand der Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum ersten Mal in einem Urteil stand.
- Ein Haftbefehl gegen ein amtierendes Staatsoberhaupt 2023 Dort wurde zum ersten Mal ein Einzelner für einen Staatsakt verurteilt.
- Die Invasion des Irak beginnt ohne Mandat des Sicherheitsrats 2003 Dort wurde der Angriffskrieg zum Verbrechen erklärt — hier stritt man, ob der Fall darunterfällt.
- Das Rom-Statut schafft einen ständigen Strafgerichtshof 1998 Der Vorläufer — ein Gericht der Sieger für einen einzigen Fall.
- Genfer Konventionen 1949: Vier Abkommen schützen auch Zivilisten 1949 Drei Jahre zuvor hatte Nürnberg Verbrechen an Kriegsgefangenen und Zivilisten bestraft.
- Eine Atombombe zerstört Hiroshima 1945 Im selben Jahr begann die Ahndung von Kriegsverbrechen — nicht der Sieger.
- Der Überfall auf Polen beginnt den Zweiten Weltkrieg 1939 Dort wurde dieser Angriff zum Gegenstand eines Strafurteils.
- Politik Novemberpogrome 1938: Synagogen brennen im ganzen Deutschen Reich 1938 Hermann Göring, der am 12. November 1938 die Konferenz über die Folgen leitete, war dort angeklagt.
- Briand-Kellogg-Pakt: 15 Staaten verzichten 1928 auf den Krieg 1928 Das Urteil, das aus dem Kriegsverzicht die Strafbarkeit des Angriffskriegs ableitete.
- Versailler Vertrag 1919 stellt Kaiser Wilhelm II. unter Anklage 1919 Was in Leipzig an nationalen Gerichten scheiterte, versuchte nach dem Zweiten Weltkrieg ein internationaler Gerichtshof.
- Der Waffenstillstand von Compiègne beendet den Ersten Weltkrieg 1918 Die Legende, die aus diesem Tag erwuchs, gehörte zur Vorgeschichte des nächsten Krieges.
- Die Haager Landkriegsordnung begrenzt die Mittel des Krieges 1907 Vierzig Jahre später wurde der Bruch dieser Regeln erstmals persönlich geahndet.