Briand-Kellogg-Pakt: 15 Staaten verzichten 1928 auf den Krieg
Am 27. August 1928 verzichteten in Paris fünfzehn Staaten auf den Krieg als Mittel der nationalen Politik. Folgen bei einem Verstoß sah der Pakt nicht vor; in Nürnberg wurde er zur Grundlage für die Strafbarkeit des Angriffskriegs.
Am 27. August 1928 unterzeichneten in Paris fünfzehn Staaten einen Vertrag, in dem sie auf den Krieg als Mittel der nationalen Politik verzichteten.1,2 Offiziell hieß er Allgemeiner Vertrag über den Verzicht auf Krieg als Werkzeug nationaler Politik; nach dem Ort der Unterzeichnung heißt er auch Pariser Pakt.4,1 In Artikel I verurteilen die Vertragsparteien den Krieg als Mittel zur Lösung internationaler Streitfälle.2 Artikel II verlangt, Streitigkeiten jeder Art nur mit friedlichen Mitteln beizulegen.2
Den Anstoß gab der französische Außenminister Aristide Briand mit dem Vorschlag, Frankreich und die USA sollten den Krieg zwischen sich ächten.1 Er veröffentlichte ihn im April 1927 in einem offenen Brief.1 US-Außenminister Frank B. Kellogg schlug stattdessen einen weiter gefassten, aber lockereren Pakt vor und verlangte Ausnahmen zum Schutz amerikanischer Interessen auf dem amerikanischen Kontinent.3 Für seine Rolle beim Zustandekommen des Pakts erhielt Kellogg den Friedensnobelpreis.3,4 Im Nobelkomitee war die Vergabe umstritten.3
Da nur , nicht aber Selbstverteidigung erfasst waren, hatten viele Staaten keine Einwände gegen eine Unterzeichnung; Folgen bei einem Verstoß sah der Pakt nicht vor.1 Wie viele Staaten später hinzukamen, geben die Quellen unterschiedlich an: 47 weitere nach dem Office of the Historian,1 47 insgesamt nach dem National Museum of American Diplomacy.4 Bei Kriegsbeginn 1939 band der Pakt nach dem Urteil des Nürnberger 63 Staaten, darunter Deutschland, Italien und Japan.5 Das Deutsche Historische Museum zählt 63 Staaten schon bis 1929,6 die Bundeszentrale für politische Bildung mehr als 60 bis 1939.7 Aus dem feierlichen Verzicht folgerte der Gerichtshof, ein solcher Krieg sei völkerrechtswidrig, und wer ihn plane und führe, begehe ein Verbrechen.5 Den wachsenden Militarismus der 1930er Jahre und den Zweiten Weltkrieg verhinderte der Pakt kaum.1
Siehe auch
- Der Internationale Militärgerichtshof verkündet die Nürnberger Urteile 1946 Das Urteil, das aus dem Kriegsverzicht die Strafbarkeit des Angriffskriegs ableitete.
- Versailler Vertrag 1919 stellt Kaiser Wilhelm II. unter Anklage 1919 Neun Jahre zuvor hatte Versailles den Kaiser wegen Verletzung der Heiligkeit der Verträge angeklagt.
- Die Invasion des Irak beginnt ohne Mandat des Sicherheitsrats 2003 Die Frage, wann ein Krieg erlaubt ist, stellte sich 75 Jahre später im Sicherheitsrat erneut.
Hierher verwiesen
- Versailler Vertrag 1919 stellt Kaiser Wilhelm II. unter Anklage 1919 Neun Jahre später verzichteten die Staaten vertraglich auf den Krieg als Mittel der Politik.