Versailler Vertrag 1919 stellt Kaiser Wilhelm II. unter Anklage
Am 28. Juni 1919 unterzeichnete das Deutsche Reich in Versailles den Friedensvertrag. Er stellte Wilhelm II. unter Anklage und verlangte die Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher, doch beides lief ins Leere.
Am 28. Juni 1919 unterzeichnete das Deutsche Reich im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles den Friedensvertrag mit den Alliierten.2,1 Der Reichstag hatte die Regierung Bauer mit 237 gegen 138 Stimmen dazu ermächtigt, und sie musste ohne Abstriche unterzeichnen.2 In Kraft trat der Vertrag am 10. Januar 1920.3 Die USA und China schlossen gesondert Frieden mit Deutschland.2,3 Der Vertrag belegte das Reich mit hohen und enthielt zugleich die Satzung des Völkerbunds.3
In Artikel 231 erkannte Deutschland die Verantwortung Deutschlands und seiner Verbündeten für alle Verluste und Schäden an, die den Alliierten durch den ihnen von Deutschland und seinen Verbündeten aufgezwungenen Krieg entstanden waren.6 Die Bundeszentrale für politische Bildung liest daraus, der Vertrag habe dem Reich die Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs zugewiesen.3 Artikel 227 stellte den früheren Kaiser Wilhelm II. wegen schwerster Verletzung der internationalen Moral und der Heiligkeit der Verträge unter öffentliche Anklage.1 Wilhelm war schon Ende 1918 in die neutralen Niederlande geflohen und hatte dort Asyl erhalten.5 Die niederländische Regierung lieferte ihn nicht aus, weil sie die Anklage für rückwirkendes Strafrecht hielt.5
In Artikel 228 erkannte die deutsche Regierung das Recht der Alliierten an, Personen wegen Verstößen gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges vor Militärgerichte zu stellen.1 Geplant war zunächst, bis zu 900 Deutsche auszuliefern, doch die deutsche Regierung konnte das abwenden.4 Stattdessen stellte das Reichsgericht in Leipzig 1921 und 1922 in zwölf Verfahren 17 Deutsche wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vor Gericht.4 In vier der fünf französischen Verfahren wurden die Angeklagten, hohe und höchste Offiziere, freigesprochen.4 Die Alliierten, vor allem Frankreich, nannten die ersten Urteile eine „Farce“.4
Siehe auch
- Der Waffenstillstand von Compiègne beendet den Ersten Weltkrieg 1918 Der Waffenstillstand, dem der Vertrag sieben Monate später folgte.
- Der Internationale Militärgerichtshof verkündet die Nürnberger Urteile 1946 Was in Leipzig an nationalen Gerichten scheiterte, versuchte nach dem Zweiten Weltkrieg ein internationaler Gerichtshof.
- Briand-Kellogg-Pakt: 15 Staaten verzichten 1928 auf den Krieg 1928 Neun Jahre später verzichteten die Staaten vertraglich auf den Krieg als Mittel der Politik.
Hierher verwiesen
- Briand-Kellogg-Pakt: 15 Staaten verzichten 1928 auf den Krieg 1928 Neun Jahre zuvor hatte Versailles den Kaiser wegen Verletzung der Heiligkeit der Verträge angeklagt.