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Die Invasion des Irak beginnt ohne Mandat des Sicherheitsrats

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Am 20. März 2003 griffen die USA und Großbritannien den Irak an, ohne dass der UN-Sicherheitsrat sie dazu ermächtigt hatte. Ob Resolution 1441 dafür ausreichte, blieb umstritten — Untersuchungen in den Niederlanden und Großbritannien verneinten es später.

Am 20. März 2003 um 3 Uhr GMT begannen die Vereinigten Staaten mit Luftangriffen auf den Irak; kurz vor Mitternacht des 19. März hatten sie die britische Regierung darüber unterrichtet, dass der Beginn vorgezogen werde.2 Eine ausdrückliche Ermächtigung des UN- lag nicht vor.2 Der Versuch, eine zweite Resolution zu erreichen, war zuvor aufgegeben worden; am 17. März stellte Präsident George W. Bush Saddam Hussein ein Ultimatum von 48 Stunden, und am Abend des 18. März stimmte das britische Unterhaus mit 412 zu 149 Stimmen für den Einsatz.2 Washington und London stützten den Angriff auf die Annahme, der Irak verfüge über chemische und biologische Waffen; die Möglichkeit, dass er keine besaß, wurde in der britischen Lagebeurteilung zu keinem Zeitpunkt geprüft.2 Bestände wurden nie gefunden: "The Iraq Survey Group has not found evidence that Saddam Hussein possessed weapons of mass destruction stocks prior to the war", bestätigte deren Sonderberater Charles Duelfer am 6. Oktober 2004 vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats.5

Die Rechtsfrage entzündete sich an Resolution 1441, die der Sicherheitsrat am 8. November 2002 in seiner 4644. Sitzung einstimmig angenommen hatte.12 Sie stellte fest, der Irak sei weiterhin in "material breach" seiner Pflichten, räumte ihm eine "final opportunity" zur Abrüstung ein und erinnerte in Absatz 13 daran, dass der Rat wiederholt vor "serious consequences" gewarnt habe.1 Absatz 12 sah vor, dass der Rat bei einem Bericht über Verstöße zusammentritt, um die Lage zu prüfen — eine Erlaubnis für einzelne Staaten, Gewalt anzuwenden, spricht der Text nicht aus.1 Frankreich erklärte am 18. März, allein der Sicherheitsrat sei befugt, Gewaltanwendung zu legitimieren; in der Ratssitzung am 19. März hielt die Mehrheit der Mitglieder, darunter Frankreich, Russland und China, die Entwaffnung des Irak für mit friedlichen Mitteln erreichbar.2

Die Bewertung zog sich über Jahre hin.234 UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte am 16. September 2004 in einem BBC-Interview auf mehrfaches Nachfragen, der Krieg stehe nicht im Einklang mit der UN-Charta: "from the Charter point of view it was illegal".3 Eine niederländische Untersuchungskommission kam am 12. Januar 2010 zu dem Ergebnis, die Formulierung von Resolution 1441 lasse sich "nicht vernünftigerweise" als Ermächtigung einzelner Mitgliedstaaten zur Gewaltanwendung lesen.4 Der britische Untersuchungsbericht unter John Chilcot, am 6. Juli 2016 veröffentlicht, hielt fest, das Vereinigte Königreich sei ohne die ausdrückliche Ermächtigung in den Krieg gezogen, die es beim Sicherheitsrat gesucht hatte; die diplomatischen Möglichkeiten seien nicht ausgeschöpft gewesen, Militäraktion also nicht das letzte Mittel, und die Umstände, unter denen eine Rechtsgrundlage bejaht wurde, seien "far from satisfactory" gewesen.2

Militärisch war der Krieg rasch entschieden: Am 1. Mai 2003 erklärte Bush ihn für beendet.6 Die Gewalt im Land hielt danach jedoch an, und zehn Jahre später war ein Ende nicht absehbar.6 Ob eine Resolution, die Folgen androht, ohne sie zu benennen, die Erlaubnis des Rates ersetzen kann, war damit für diesen Fall beantwortet — beantwortet allerdings vom Generalsekretär und von nationalen Untersuchungskommissionen, nicht vom Sicherheitsrat selbst.34

Vom Beschluss zur nachträglichen Bewertung Die rechtliche Klärung lief dem Krieg dreizehn Jahre hinterher
  1. Resolution 1441 einstimmig angenommen
  2. Beginn der Luftangriffe
  3. Annan: nicht im Einklang mit der Charta
  4. Kommission Davids: keine Rechtsgrundlage
  5. Chilcot-Bericht veröffentlicht
Datum Ereignis Beleg
8. November 2002 Resolution 1441 einstimmig angenommen [1]
20. März 2003 Beginn der Luftangriffe [2]
16. September 2004 Annan: nicht im Einklang mit der Charta [3]
12. Januar 2010 Kommission Davids: keine Rechtsgrundlage [4]
6. Juli 2016 Chilcot-Bericht veröffentlicht [2]

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