Colin Powell legt dem Sicherheitsrat Belege für irakische Massenvernichtungswaffen vor
Am 5. Februar 2003 legte US-Außenminister Colin Powell dem UN-Sicherheitsrat vor, was irakische Massenvernichtungswaffen belegen sollte. Er zeigte Satellitenbilder, Zeugenaussagen und ein Fläschchen. Eine Untersuchungskommission stellte später fest, dass die Angaben zu mobilen Biowaffenlaboren von einem Informanten stammten, der sie erfunden hatte.
Am 5. Februar 2003 trug US-Außenminister Colin Powell vor den Mitgliedern des UN-, den Waffeninspektoren und dem irakischen Botschafter die Belege seiner Regierung gegen den Irak vor.1,2 Er zeigte Satellitenbilder, die nach seiner Darstellung belegten, dass der Irak Waffenbestände oder Produktionsstätten vor den Inspektoren versteckt oder verlegt hatte.1 Gestützt auf die Aussagen von vier irakischen Überläufern führte er Abbildungen mobiler Anlagen zur Herstellung biologischer Kampfstoffe vor.1 Mit einem kleinen Fläschchen in der Hand sagte er, Saddam Hussein habe nicht einmal über einen Teelöffel Anthrax nachprüfbar Rechenschaft abgelegt: „This is evidence, not conjecture.“2 Nach PBS war das Fläschchen eine Attrappe; es sollte zeigen, dass nichts die Vernichtung der 25.000 Liter Anthrax belegte, die der Irak nach Schätzung früherer UN-Inspektoren hätte herstellen können.1 Als Hinweis auf ein fortbestehendes Atomwaffenprogramm nannte Powell Versuche, hochwertige Aluminiumröhren zu beschaffen.1
Hans Blix, der Leiter der UN-Inspektionskommission UNMOVIC, berichtete dem Rat danach, die Inspektoren hätten bisher keine solchen Waffen gefunden, nur eine kleine Zahl leerer chemischer Munition; viele verbotene Waffen und Gegenstände seien allerdings nicht nachgewiesen.5 Die Hinweise auf mobile Biowaffenanlagen nannte er „persistent intelligence reports“ und kündigte an, Bewegungen am Boden, vor allem von Lastwagen, überwachen zu wollen.5 Nach dem UN-Nachrichtendienst fand UNMOVIC zwei Monate nach der Rede keine Hinweise darauf, dass der Irak Programme für Massenvernichtungswaffen fortgesetzt oder wieder aufgenommen hatte.2
Eine Untersuchungskommission des US-Präsidenten kam später zu dem Ergebnis, fast alle Informationen der Geheimdienste über die mobilen Biowaffenanlagen stammten von einem Informanten mit dem Decknamen „Curveball“, der seine Angaben erfunden hatte.3 Powell sei nicht unterrichtet worden, dass eine andere Quelle seiner Rede schon fast ein Jahr zuvor als Informant mit erfundenen Angaben eingestuft worden war, und ebenso wenig von den Zweifeln an Curveball, die zur Zeit der Rede in der CIA aufgekommen waren.3 In einem Interview mit dem US-Sender ABC nannte Powell die Rede später einen „blot“ auf seiner Bilanz: „It was painful. It's painful now.“4 Nach ABC hatte er sich vor der Rede fünf Tage im CIA-Hauptquartier mit den Berichten befasst; er fühle sich schrecklich, falsch informiert worden zu sein, gab CIA-Direktor George Tenet dafür aber nicht die Schuld.4
Siehe auch
- Die Invasion des Irak beginnt ohne Mandat des Sicherheitsrats 2003 Sechs Wochen nach der Rede begann die Invasion, die sich auf genau diese Waffen berief.
- Die Nationale Sicherheitsstrategie der USA erklärt den vorbeugenden Angriff zur Option 2002 Die Strategie, die einen Angriff schon bei ungewisser Bedrohung erlaubte; die Rede sollte die Bedrohung belegen.
Hierher verwiesen
- Die Nationale Sicherheitsstrategie der USA erklärt den vorbeugenden Angriff zur Option 2002 Vier Monate später sollte die Rede vor dem Sicherheitsrat die Gefahr belegen, auf die sich die Doktrin berief.