Chruschtschow lenkt in der Kubakrise ein
Dreizehn Tage lang stehen sich im Oktober 1962 zwei Atommächte gegenüber, weil die Sowjetunion Raketen auf Kuba stationiert hat. Am 28. Oktober sagt Chruschtschow den Abzug zu — im Gegenzug für einen Teil der Vereinbarung, der geheim bleibt.
Am 28. Oktober 1962 erklärte sich der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow bereit, die auf Kuba stationierten Atomraketen wieder abzuziehen.1 Damit endete eine Konfrontation, die UN-Generalsekretär U Thant als gefährlichste Konfrontation der beiden Weltmächte in der bis dahin siebzehnjährigen Geschichte der Vereinten Nationen bezeichnete.3 Thant kommentierte sie nicht nur: Er vermittelte zwischen Washington und Moskau, auf Drängen vieler Staaten und mit Kennedys Wissen.4
Begonnen hatte sie mit Aufnahmen eines amerikanischen Aufklärungsflugzeugs, die sowjetische Mittelstreckenraketen und Abschussstellungen auf Kuba zeigten.2,5 Fotografiert wurde am 14. Oktober, ausgewertet am Tag darauf.5,7 Am 16. Oktober setzte Präsident John F. Kennedy einen geheimen Krisenstab ein; Verteidigungsminister Robert McNamara schlug eine vor.2 Kennedy entschied sich für die Blockade; sie ließ sich, verglichen mit Bombardierung oder Invasion, mit dem geringsten Maß an Gewalt ausführen.3 Er ordnete sie am 22. Oktober an und machte die Lage am Abend im Fernsehen öffentlich; die Proklamation unterzeichnete er am 23. Oktober, wirksam wurde sie am 24. Oktober.2,3,5,6
Am 27. Oktober wurde über Kuba ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug ohne Befugnis aus Moskau abgeschossen; zu einer atomaren Vergeltung kam es nicht.2 Am selben Tag koppelte Chruschtschow öffentlich den Abzug von Kuba an den Abzug der amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei — eine Bedingung, die Kennedy nicht öffentlich annehmen wollte und deshalb vertraulich zusagen ließ.3
Das Ergebnis war ein Tausch, von dem nur die eine Hälfte sichtbar war: Die Sowjetunion baute die Stellungen ab, und die USA zogen die Jupiter-Raketen aus der Türkei ab.3,5 Abgebaut wurden sie im April 1963.5,8 Aus der Krise folgte eine praktische Konsequenz: Am 20. Juni 1963 wurde in Genf die direkte Fernschreibverbindung zwischen Weißem Haus und Kreml vereinbart, das erste bilaterale Abkommen, das die Gefahren moderner Atomwaffensysteme ausdrücklich anerkannte.2
Siehe auch
- Eine Atombombe zerstört Hiroshima 1945 Die Waffe, deren Einsatz hier nur noch als Drohung gedacht war.
- Politik Ein Versprecher öffnet die Berliner Mauer 1989 Dieselbe Blockkonfrontation, 27 Jahre später an ihrem Ende.
Hierher verwiesen
- Mit New START endet die vertragliche Obergrenze für die größten Atomarsenale 2026 Dreizehn Tage, die zeigten, wohin eine unbegrenzte Konkurrenz der Arsenale führen kann.
- Der Atomwaffenverbotsvertrag tritt in Kraft 2021 Der Gegenentwurf: Sicherheit durch Drohung statt durch Verbot.
- Die Invasion des Irak beginnt ohne Mandat des Sicherheitsrats 2003 Ein Fall, in dem der Sicherheitsrat als Bühne diente, statt übergangen zu werden.
- RDS-1: Sowjetunion zündet 1949 ihre erste Atombombe 1949 Dreizehn Jahre später standen sich beide Atommächte in der Kubakrise gegenüber.