Der Vertrag von Lissabon tritt in Kraft
Am 1. Dezember 2009 tritt der Vertrag von Lissabon in Kraft. Er gibt dem Parlament gleiches Gewicht neben dem Rat, macht die Grundrechtecharta verbindlich und schafft die Europäische Bürgerinitiative.
Am 1. Dezember 2009 trat der Vertrag von Lissabon in Kraft, unterzeichnet worden war er am 13. Dezember 2007 im Hieronymuskloster in Lissabon.2,6 Er ersetzt die bestehenden Verträge nicht, sondern ändert sie — den Vertrag über die Europäische Union, den Vertrag über die Arbeitsweise der Union und den Euratom-Vertrag.2 Vor dem Inkrafttreten musste ihn jeder Mitgliedstaat ratifizieren, in Irland per Volksabstimmung: Dort scheiterte er zunächst in einem ersten Referendum und fand erst in einem zweiten die Mehrheit, nachdem die Union Garantien zu Neutralität, Steuern und ethischen Fragen gegeben hatte — bei den ethischen Fragen ging es um das Recht auf Leben, die Bildung und die Familie.1,8 Die zweite Abstimmung am 2. Oktober 2009 ergab 67,1 Prozent Zustimmung bei einer Wahlbeteiligung von 58 Prozent: 1.214.268 Stimmen standen 594.606 gegenüber.4 Im Juni 2008 hatte die Nein-Seite noch 53,4 Prozent erreicht.4 Im Dezember 2008 sagte der Europäische Rat die Garantien zu, im Juni 2009 beschlossen die Staats- und Regierungschefs sie im Europäischen Rat; beim Abschluss des nächsten Beitrittsvertrags sollten sie in einem Protokoll zu den Verträgen festgeschrieben werden.5,8
Die wichtigsten Änderungen verschieben die Gewichte zwischen den Organen.1,3 Das Parlament entscheidet im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren gleichberechtigt mit dem Rat; die Zahl der Politikfelder, für die dieses Verfahren gilt, stieg von 40 auf 85.1 Die Bundeszentrale für politische Bildung spricht davon, die Befugnisse des Parlaments seien auf mehr als 40 Bereiche erweitert worden.3 Der Europäische Rat wurde ein eigenes Organ mit einem für zweieinhalb Jahre gewählten Präsidenten anstelle der rotierenden Vorsitze; für die Außenpolitik entstand das Amt des Hohen Vertreters, das zugleich eine Vizepräsidentschaft der Kommission ist.1,7 Im Rat gilt seither die doppelte Mehrheit aus Mitgliedstaaten und Bevölkerung.3,7
Zwei Neuerungen richten sich unmittelbar an die Bürger.1 Die Charta der Grundrechte wurde erstmals rechtsverbindlich — allerdings nur, soweit Unionsrecht durchgeführt wird.1 Und über die Europäische Bürgerinitiative können mindestens eine Million Menschen aus mindestens sieben Mitgliedstaaten die Kommission auffordern, einen Rechtsakt vorzuschlagen.1
Siehe auch
- Sechs Staaten unterzeichnen die Römischen Verträge 1957 Ein halbes Jahrhundert nach dem Anfang über die Wirtschaft wird die Verfassungsfrage nachgeholt.
Hierher verwiesen
- Medien Die europäische Medienfreiheitsverordnung wird anwendbar 2025 Die Rechtsgrundlage, auf der die Union solche Verordnungen erlässt.
- Brexit: Das Vereinigte Königreich verlässt die Europäische Union 2020 Erst dieser Vertrag schrieb mit Artikel 50 ein Austrittsverfahren fest.