Zeitalter nach der europäischen Epocheneinteilung der Geschichtswissenschaft. Sie werden aus dem Datum eines Eintrags berechnet und sind ein Zeitband: Ein Eintrag aus China oder Mesoamerika liegt im selben Band, gehört deshalb aber nicht zur europäischen Geschichte.
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1591
1.600 Bände — die kleinste Bibliothek in Timbuktu
1591 eroberte ein marokkanisches Heer Timbuktu und verschleppte die Gelehrten der Stadt. Einem von ihnen wurden 1.600 Bände beschlagnahmt — nach seinen eigenen Worten die kleinste Bibliothek in seiner Familie. Aus dieser Nebenbemerkung lässt sich ermessen, was eine westafrikanische Stadt an Büchern besaß, lange bevor dort eine Presse stand. -
1893
Budapest hört ein Programm aus der Telefonleitung
Am 15. Februar 1893 beginnt in Budapest der Telefon Hírmondó zu senden: Nachrichten, Börsenkurse und abends Musik, über Leitungen an zahlende Abonnenten. Drei Jahrzehnte vor dem Radio gibt es damit schon ein Programm, nur noch keinen Funk. -
1901
Marconi will drei Punkte über den Atlantik gehört haben
Am 12. Dezember 1901 will Guglielmo Marconi auf Signal Hill in Neufundland den Morsebuchstaben S aus Cornwall empfangen haben. Aufgezeichnet wurde das Signal nicht, und ob es überhaupt ankommen konnte, ist bis heute umstritten. -
1906
Fessendens Weihnachtssendung 1906 ist zeitgenössisch nicht belegt
Reginald Fessenden soll am Heiligabend 1906 Sprache und Musik über Funk gesendet haben. Der einzige Bericht darüber stammt von ihm selbst — aus einem Brief von 1932. -
1919
PCGG: Idzerda sendet in Den Haag ein angekündigtes Radioprogramm
Der Haager Ingenieur Hans Idzerda sendete am 6. November 1919 ein Musikprogramm, das er tags zuvor in der Zeitung angekündigt hatte. Ob es der erste Rundfunksender der Welt war, ist bis heute umstritten. -
1920
KDKA sendet die erste kommerzielle Rundfunksendung
Am Abend des 2. November 1920 überträgt der Sender KDKA aus East Pittsburgh die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl. Betrieben wird er von einem Elektrokonzern, der Empfänger verkaufen will — Rundfunk beginnt in den USA als Geschäftsmodell. -
1922
Die BBC sendet zum ersten Mal
Am 14. November 1922 um 18 Uhr liest Arthur Burrows im Londoner Studio 2LO die ersten Nachrichten der British Broadcasting Company. Er liest sie zweimal, einmal schnell und einmal langsam. Finanziert wird der Dienst über eine Empfangsgebühr. -
1923
Vox-Haus: Deutscher Rundfunk beginnt 1923 ohne zahlenden Hörer
Am 29. Oktober 1923 beginnt vom Dachboden des Vox-Hauses in Berlin der deutsche Unterhaltungsrundfunk. Der Sender war in vierzehn Tagen gebaut, die Sendung bestand aus Musik — und am ersten Tag gab es keinen einzigen angemeldeten Hörer. -
1935
Fernsehsender Paul Nipkow beginnt in Berlin regelmäßig zu senden
Am 22. März 1935 beginnt der "Fernsehsender Paul Nipkow" mit 180 Zeilen ein regelmäßiges Programm — nach Einschätzung mehrerer Quellen das erste der Welt. Empfänger kann sich fast niemand leisten; gesehen wird in öffentlichen Fernsehstuben. -
1950
ARD: Sechs Rundfunkanstalten schließen sich in Bremen zusammen
Im Juni 1950 vereinbaren sechs Landesrundfunkanstalten in Bremen eine Arbeitsgemeinschaft. Der Zusammenschluss ersetzt keine Zentrale — er verhindert eine. -
1961
Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen
Am 28. Februar 1961 erklärt das Bundesverfassungsgericht die vom Bund gegründete Deutschland-Fernsehen GmbH für unvereinbar mit dem Grundgesetz. Rundfunk ist Sache der Länder — und muss so gebaut sein, dass alle gesellschaftlichen Kräfte Einfluss haben. -
1962
Telstar überträgt erstmals öffentlich live über den Atlantik
Am 23. Juli 1962 leitet der Satellit Telstar 1 die erste öffentliche Live-Fernsehsendung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten weiter. Möglich ist das nur für rund eine halbe Stunde je Umlauf — der Satellit kreist zu tief, um stillzustehen. -
1969
Mondlandung 1969 wird eines der größten Medienereignisse
In der Nacht zum 21. Juli 1969 verfolgen geschätzt 500 bis 600 Millionen Menschen die Mondlandung live im Fernsehen. Familien kaufen dafür eigens ein Gerät. Die DDR überträgt nicht — und zeigt damit, was Rundfunk auch sein kann. -
1984
In Ludwigshafen beginnt das Privatfernsehen
Am 1. Januar 1984 geht im Kabelpilotprojekt Ludwigshafen das erste private Fernsehprogramm der Bundesrepublik auf Sendung. Empfangen können es zunächst nur wenige tausend Haushalte. Aus diesem Anfang wird das duale Rundfunksystem. -
1996
Al Jazeera geht in Doha auf Sendung
Am 1. November 1996 nahm der arabischsprachige Nachrichtenkanal Al Jazeera in Doha den Betrieb auf. Finanziert wurde er vom Emir von Katar, besetzt mit Journalisten eines gescheiterten BBC-Projekts. -
2003
Berlin schaltet das analoge Antennenfernsehen ab
Am 4. August 2003 endet in Berlin das analoge Fernsehen über Antenne; wer seither terrestrisch empfängt, braucht einen DVB-T-Empfänger. Die Fernseh- und Kinotechnische Gesellschaft nennt das eine weltweite Premiere. -
2013
Rundfunkbeitrag 2013: Die Wohnung zählt, nicht mehr das Gerät
Am 1. Januar 2013 ersetzt der Rundfunkbeitrag je Wohnung die gerätebezogene Rundfunkgebühr. Anlass ist, dass Computer und Smartphones die Frage, wer ein Empfangsgerät bereithält, gegenstandslos gemacht haben. -
2020
Der Medienstaatsvertrag löst den Rundfunkstaatsvertrag ab
Am 7. November 2020 ersetzt der Medienstaatsvertrag den seit 1991 geltenden Rundfunkstaatsvertrag. Erstmals werden nicht nur Sender reguliert, sondern auch Plattformen, Benutzeroberflächen und Intermediäre — Suchmaschinen und soziale Netzwerke. -
2025
Die europäische Medienfreiheitsverordnung wird anwendbar
Seit dem 8. August 2025 gelten die Hauptpflichten des European Media Freedom Act in allen Mitgliedstaaten. Dazu gehören Eigentumstransparenz, Schutz von Quellen und Grenzen für das Löschen von Medieninhalten durch Plattformen. -
2025
Reformstaatsvertrag: Die Länder verordnen weniger Programme
Am 1. Dezember 2025 tritt der Reformstaatsvertrag in Kraft. Er verpflichtet ARD, ZDF und Deutschlandradio zu weniger Hörfunk- und Spartenprogrammen, zu engerer Zusammenarbeit und zu strengeren Regeln für Texte im Netz; die Höhe des Beitrags regelt er nicht. -
2026
„200 Franken sind genug!“: Schweiz lehnt Initiative mit 61,9 % ab
Am 8. März 2026 lehnen die Schweizer Stimmberechtigten die Initiative „200 Franken sind genug!“ mit 61,9 Prozent ab. Die Abgabe sinkt trotzdem: Der Bundesrat hatte schon vorher eine Senkung auf 300 Franken bis 2029 beschlossen.