In Ludwigshafen beginnt das Privatfernsehen
Am 1. Januar 1984 geht im Kabelpilotprojekt Ludwigshafen das erste private Fernsehprogramm der Bundesrepublik auf Sendung. Empfangen können es zunächst nur wenige tausend Haushalte. Aus diesem Anfang wird das duale Rundfunksystem.
Am 1. Januar 1984 begann im Ludwigshafen am Rhein das Privatfernsehen in der Bundesrepublik.1,3 Um 9:45 Uhr lief im Offenen Kanal ein Rückblick auf das vergangene Jahr, um 10:28 Uhr folgte die erste Sendung der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk, kurz PKS.1 Sehen konnten das zunächst je nach Quelle rund 1.200 oder 2.600 Haushalte.1,4 Einen Tag später startete RTL plus von Luxemburg aus.1,4,5
Das Projekt stand unter Aufsicht der Anstalt für Kabelkommunikation, die die Landesregierung Rheinland-Pfalz im Juni 1982 in Ludwigshafen gegründet hatte.2 Das Bundesverfassungsgericht hatte private Sender nicht ausgeschlossen, aber verlangt, dass im Gesamtangebot alle Meinungen zu Wort kommen.2
Welche Anbieter überhaupt starten wollten, war lange nicht klar.2 Am 28. November 1983 wurden die Anbieter benannt, die gemeinsam ein privates Programm erstellen sollten, darunter der Axel Springer Verlag und Bertelsmann.2 Acht Tage später wurde bekannt, dass sich Bertelsmann mit 40 Prozent an RTL plus beteiligen wollte; wegen einer Konkurrenzklausel musste das Unternehmen im Dezember 1983 aus PKS ausscheiden.2 Für Bertelsmann wurde die RTL Group später zu einem Umsatztreiber.2 PKS benannte sich zum 1. Januar 1985 in SAT.1 um.1,3
Die Zahlen wuchsen langsam: 2.600 angeschlossene Haushalte im März 1984, 78.000 im Jahr 1986.1 Vergleichbare Pilotprojekte liefen in München bis Ende 1985, in Dortmund bis 1988 und in Berlin bis 1990.1 Aus dem Nebeneinander von Anstalten und privaten Anbietern wurde die duale Rundfunkordnung — anders als in den Vereinigten Staaten, wo der kommerzielle Rundfunk von Anfang an dominierte.3 2013 kontrollierten RTL Group und ProSiebenSat.1 zusammen über 70 Prozent des Fernsehwerbemarkts.3
Siehe auch
- Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen 1961 Dasselbe Gericht, das 1961 den Bundessender untersagte, setzte hier die Bedingungen.
- Die BBC sendet zum ersten Mal 1922 Das Gegenmodell — ein Monopol mit Auftrag statt Wettbewerb um Werbung.
Hierher verwiesen
- Der Medienstaatsvertrag löst den Rundfunkstaatsvertrag ab 2020 Damals kam ein zweiter Veranstalter hinzu; hier kommt eine ganz andere Art von Adressat hinzu.
- Berlin schaltet das analoge Antennenfernsehen ab 2003 Das Kabel, mit dem das Privatfernsehen kam, blieb der Konkurrent der Antenne.
- Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen 1961 23 Jahre später öffnete dasselbe Gericht den Weg für private Anbieter.