Fernsehsender Paul Nipkow beginnt in Berlin regelmäßig zu senden
Am 22. März 1935 beginnt der "Fernsehsender Paul Nipkow" mit 180 Zeilen ein regelmäßiges Programm — nach Einschätzung mehrerer Quellen das erste der Welt. Empfänger kann sich fast niemand leisten; gesehen wird in öffentlichen Fernsehstuben.
Am 22. März 1935 begann in Berlin ein regelmäßiges Fernsehprogramm — nach Darstellung des Heinz Nixdorf MuseumsForums der erste reguläre Fernsehdienst des Landes und wahrscheinlich der Welt.1 Der Sender trug den Namen "Fernsehsender Paul Nipkow", nach dem Erfinder der .3 Den Namen erhielt er Ende Mai 1935.1 Ausgestrahlt wurde er vom Berliner Funkturm aus dem Reichspostministerium.2,3
Die Bilder hatten 180 Zeilen; abgetastet wurde die Ansagerin Ursula Patzschke noch mit einer Nipkow-Scheibe, fünfundzwanzigmal je Sekunde.1 Gesendet wurde über Berlin-Witzleben, das Bild auf 40,3 Megahertz, der Ton auf 42,493 Megahertz.1 Möglich machte das ein fahrbarer 30-Kilowatt-Sender, den AEG eigens für die Reichspost entwickelt hatte; die Reichweite betrug 60 bis 80 Kilometer um Berlin.3
Gesendet wurde zunächst montags, mittwochs und samstags, ab Mai 1935 täglich von 20:30 bis 22 Uhr.1 Den ersten Abend füllten Bilder von politischen Kundgebungen der Jahre 1933 und 1934 und der Trickfilm „Vorsicht, es brennt!“;1 gesendet wurden Bildungs- und Unterhaltungssendungen sowie Nachrichten.2
Anfangs erreichte das Programm nur wenige Menschen.2 Empfänger waren für Normalbürger unerschwinglich;1 geplant war ein Einheitsfernsehgerät für 650 Reichsmark — ein Volkswagen sollte etwa 1.000 kosten —, in größeren Mengen gebaut wurde es nicht.3 Wer fernsehen wollte, ging in eine .3 Einen ersten großen Schub gaben dem Sender die Olympischen Spiele 1936.2 Der Sender stand unter der Schirmherrschaft des nationalsozialistischen Regimes und diente der Propaganda.2,3 1938 stieg der Sender auf 441 Zeilen um.1 Die BBC begann ihren Fernsehdienst am 2. November 1936 in zwei Studios, eines davon mit elektronischen Kameras und 405 Zeilen.1
Siehe auch
- Vox-Haus: Deutscher Rundfunk beginnt 1923 ohne zahlenden Hörer 1923 Zwölf Jahre zuvor hatte dieselbe Reichspost den Rundfunk begonnen.
- Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen 1961 Die Erfahrung mit dem Staatsrundfunk begründete später das Gebot der Staatsferne.
Hierher verwiesen
- Berlin schaltet das analoge Antennenfernsehen ab 2003 In derselben Stadt begann das regelmäßige Fernsehprogramm über Antenne.
- Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen 1961 Die Erfahrung, aus der das Gebot der Staatsferne folgt.
- Vox-Haus: Deutscher Rundfunk beginnt 1923 ohne zahlenden Hörer 1923 Zwölf Jahre später wurde derselbe Apparat zum Werkzeug einer Diktatur.