- Askiya
- Herrschertitel des Songhai-Reiches, das im 15. und 16. Jahrhundert den Mittleren Niger beherrschte, und zugleich der Name seiner Dynastie. Unter den Askiyas wurde Timbuktu zum Zentrum islamischer Gelehrsamkeit; einige von ihnen richteten öffentliche Bibliotheken ein und bezahlten Kalligraphen für Abschriften. Im Eintrag: 1.600 Bände — die kleinste Bibliothek in Timbuktu →
- Binnenpluralismus
- Der Grundsatz, dass die Vielfalt der Meinungen innerhalb eines einzelnen Veranstalters abgebildet sein muss — durch die Zusammensetzung seiner Gremien und durch Leitgrundsätze für das Programm. Das Gegenstück ist die Vielfalt zwischen mehreren Anbietern. Im Eintrag: Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen →
- Druckermarke
- Das Signet einer Druckerei, gedruckt im Buch selbst. Die erste bestand aus zwei an einem Ast hängenden Schilden. Sie ist der Vorläufer der Schutzmarke: ein Zeichen, das für eine gleichbleibende Fertigungsqualität einstehen soll. Im Eintrag: Der Mainzer Psalter trägt als erstes Buch sein Druckdatum →
- duales Rundfunksystem
- Das Nebeneinander von gebührenfinanzierten Anstalten und werbefinanzierten privaten Veranstaltern. Es entstand in Deutschland 1984 als Ergänzung eines starken öffentlich-rechtlichen Systems — nicht als dessen Ablösung. Im Eintrag: In Ludwigshafen beginnt das Privatfernsehen →
- DVB-T
- Digital Video Broadcasting – Terrestrial: der Standard für digitales Fernsehen über Antenne. Auf einem Kanal, der analog ein Programm trug, lassen sich mehrere Programme übertragen; in Deutschland ist er durch DVB-T2 HD abgelöst. Im Eintrag: Berlin schaltet das analoge Antennenfernsehen ab →
- Erdumlaufbahn
- Die Bahn eines Satelliten um die Erde. Telstar flog niedrig und schnell und war deshalb nur etwa eine halbe Stunde je Umlauf von beiden Bodenstationen aus sichtbar. Dauerverbindungen wurden erst mit geostationären Bahnen möglich. Im Eintrag: Telstar überträgt erstmals öffentlich live über den Atlantik →
- Eurovision
- Der 1954 begründete Programmaustausch europäischer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Über ihn lief 1962 die europäische Seite der ersten Satellitenübertragung — die Infrastruktur war älter als der Satellit. Im Eintrag: Telstar überträgt erstmals öffentlich live über den Atlantik →
- Fernsehstube
- Öffentlicher Raum mit einem Fernsehempfänger, in dem ab 1935 gemeinsam gesehen wurde. Nötig war das, weil Geräte unerschwinglich waren — und praktisch, weil ein gemeinsames Publikum sich besser ansprechen ließ als einzelne Haushalte. Im Eintrag: Fernsehsender Paul Nipkow beginnt in Berlin regelmäßig zu senden →
- Funkentelegrafie
- Die Übertragung von Morsezeichen über Funkwellen statt über einen Draht. Sie überträgt Zeichen an einen bestimmten Empfänger, keine Sprache an ein Publikum — sie ist die Vorstufe des Rundfunks. Im Eintrag: Marconi will drei Punkte über den Atlantik gehört haben →
- Holzblockdruck
- Druckverfahren, bei dem eine vollständige Seite spiegelverkehrt in einen Holzblock geschnitten und abgedruckt wird. Anders als bei beweglichen Lettern ist der Satz nicht wiederverwendbar. Im Eintrag: Das Diamantsutra trägt sein eigenes Druckdatum →
- Kabelpilotprojekt
- Ein räumlich begrenzter Modellversuch mit Kabelfernsehen, betrieben nach Landesrecht und unter Aufsicht einer eigens errichteten Anstalt. Die Begrenzung war der juristische Kniff, mit dem sich privater Rundfunk erproben ließ. Im Eintrag: In Ludwigshafen beginnt das Privatfernsehen →
- Kolophon
- Der Schlussvermerk eines Buches, der Hersteller, Ort und Datum nennt. Im Handschriftenwesen war er die Ausnahme; gedruckt erscheint er zuerst 1457 — und verwandelt ein Buch damit in ein Erzeugnis mit nachprüfbarer Herkunft. Im Eintrag: Der Mainzer Psalter trägt als erstes Buch sein Druckdatum →
- Medienereignis
- Ein Geschehen, das durch öffentliche Reichweite, emotionale Wirkung und eine tragende Erzählung über sich hinauswächst. Nicht jedes große Ereignis wird eines — und manches wird eines, weil es übertragen wird. Im Eintrag: Mondlandung 1969 wird eines der größten Medienereignisse →
- Medienintermediär
- Ein Telemedium, das journalistisch-redaktionelle Angebote Dritter aggregiert, auswählt und allgemein zugänglich darstellt, ohne sie zu einem eigenen Gesamtangebot zusammenzufassen — etwa Suchmaschinen und soziale Netzwerke. Der Begriff stammt aus dem Medienstaatsvertrag und beschreibt einen Adressaten, der selbst keine Inhalte verantwortet, aber über ihre Sichtbarkeit entscheidet. Im Eintrag: Der Medienstaatsvertrag löst den Rundfunkstaatsvertrag ab →
- Nipkow-Scheibe
- Eine rotierende Lochscheibe, die ein Bild zeilenweise abtastet — die mechanische Grundlage des frühen Fernsehens. Sie begrenzte die Zeilenzahl und wurde in den späten 1930er Jahren von elektronischen Kameras verdrängt. Im Eintrag: Fernsehsender Paul Nipkow beginnt in Berlin regelmäßig zu senden →
- öffentlich-rechtlicher Rundfunk
- Rundfunk, der von Anstalten des öffentlichen Rechts veranstaltet wird: weder staatlich noch privat, sondern von Gremien getragen, in denen gesellschaftliche Gruppen vertreten sind. Genau diese Bauweise verlangte das Urteil von 1961. Im Eintrag: Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen →
- Paläographie
- Die Lehre von alten Schriften und ihrer Entwicklung. Wo eine Handschrift kein Datum trägt, lässt sie sich über die Form der Buchstaben zeitlich einordnen – meist nur auf Jahrzehnte genau. Im Eintrag: Der Codex Sinaiticus fasst die griechische Bibel in einem Band aus Pergament →
- Presseähnlichkeit
- Der Maßstab, nach dem ein Online-Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten einer Zeitung zu sehr gleicht, weil es überwiegend aus Text ohne Bezug zu einer Sendung besteht. Solche Angebote sind den Anstalten untersagt. Im Eintrag: Reformstaatsvertrag: Die Länder verordnen weniger Programme →
- Rufzeichen
- Die amtlich zugeteilte Kennung eines Senders. Sie ist keine Marke, sondern eine Lizenznummer — KDKA und 2LO waren zuerst Verwaltungsvorgänge und wurden erst danach Namen. Im Eintrag: KDKA sendet die erste kommerzielle Rundfunksendung →
- Rundfunkbeitrag
- Die Abgabe, die in Deutschland seit 2013 je Wohnung und Betriebsstätte für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erhoben wird, unabhängig davon, ob ein Empfangsgerät vorhanden ist. Sie hat die gerätebezogene Rundfunkgebühr abgelöst. Im Eintrag: Rundfunkbeitrag 2013: Die Wohnung zählt, nicht mehr das Gerät →
- Rundfunkgebühr
- Ein Entgelt für das Betreiben eines Empfangsgeräts, erhoben unabhängig davon, was gehört wird. Sie finanziert Programm ohne Werbekunden — und macht damit die Unabhängigkeit vom Markt erst möglich. Im Eintrag: Die BBC sendet zum ersten Mal →
- Set-Top-Box
- Ein Zusatzgerät, das ein digitales Fernsehsignal empfängt und so umwandelt, dass ein älteres Fernsehgerät es anzeigen kann. Im Eintrag: Berlin schaltet das analoge Antennenfernsehen ab →
- Staatsferne
- Das Gebot, dass der Staat auf Programm und Organisation des Rundfunks keinen bestimmenden Einfluss haben darf. Es folgt nicht aus einem einzelnen Satz des Grundgesetzes, sondern aus der Auslegung der Rundfunkfreiheit durch das Bundesverfassungsgericht. Im Eintrag: Das Bundesverfassungsgericht untersagt das Regierungsfernsehen →
- Ständemehr
- Die Mehrheit der Kantone, die in der Schweiz neben der Mehrheit der Stimmenden nötig ist, damit eine Verfassungsänderung angenommen wird. Sechs Kantone zählen dabei mit einer halben Stimme, sodass es 23 Standesstimmen gibt. Im Eintrag: „200 Franken sind genug!“: Schweiz lehnt Initiative mit 61,9 % ab →
- Telefonzeitung
- Ein Dienst, der Nachrichten, Börsenkurse und Musik nach einem Tagesplan über Telefonleitungen an Abonnenten verteilt. Die Hörer können zuhören, aber nicht antworten; das unterscheidet ihn vom gewöhnlichen Telefongespräch. Im Eintrag: Budapest hört ein Programm aus der Telefonleitung →
- Verordnung (EU)
- Ein EU-Rechtsakt, der in allen Mitgliedstaaten unmittelbar gilt, ohne in nationales Recht umgesetzt zu werden. Darin unterscheidet er sich von der Richtlinie, die nur das Ziel vorgibt und den Staaten den Weg dorthin überlässt. Im Eintrag: Die europäische Medienfreiheitsverordnung wird anwendbar →
- Welle
- Die Wellenlänge, auf der ein Sender arbeitet, in den Anfangsjahren in Metern angegeben. "Welle 400 Meter" entspricht rund 750 Kilohertz — die Angabe stand in der Eröffnungsansage, weil man ohne sie nichts fand. Im Eintrag: Vox-Haus: Deutscher Rundfunk beginnt 1923 ohne zahlenden Hörer →
- Zeilenzahl
- Die Zahl der waagerechten Zeilen, aus denen ein Fernsehbild aufgebaut ist — das Maß für seine Auflösung. Berlin sendete 1935 mit 180 Zeilen und stieg 1938 auf 441 um. Im Eintrag: Fernsehsender Paul Nipkow beginnt in Berlin regelmäßig zu senden →