Ashokas fünftes Säulenedikt verbietet das Töten vieler Tierarten
Im fünften Säulenedikt ließ der Maurya-König Ashoka eine Liste von Tieren verkünden, die nicht getötet werden durften. Das Edikt verbietet auch, Wälder ohne Grund abzubrennen, und legt Schonfristen fest.
Im fünften seiner Säulenedikte ließ der indische König Ashoka verkünden, dass verschiedene Tiere unter Schutz stehen.2 Nach dem Wortlaut geschah das sechsundzwanzig Jahre nach seiner Weihe; genannt werden unter anderem Papageien, Mainas, Rostgänse, Wildenten, Fledermäuse und Ameisenköniginnen.2 Die Übersetzung von V. A. Smith nennt dieselben Arten zum Teil anders, etwa Stare statt Mainas und Schildkrötenweibchen statt Wasserschildkröten.1 Der Historiker Radhakumud Mookerji datiert das Edikt auf etwa 242 v. Chr.; dazu kamen nach seiner Darstellung alle vierfüßigen Tiere, die weder genutzt noch gegessen werden.3
Das Edikt regelt mehr als eine Artenliste.2 Wälder durften weder ohne Grund noch zum Töten von Lebewesen abgebrannt werden, und ein Tier durfte nicht an ein anderes verfüttert werden.2 Wie streng das gemeint war, hängt an der Übersetzung: Dhammika schreibt „without reason“, Smith „wantonly or for the destruction of life“.1 An bestimmten Fast- und Feiertagen waren Fische geschützt und durften nicht verkauft werden.2 Trächtige oder säugende Ziegen, Schafe und Säue standen ebenso unter Schutz wie Jungtiere unter sechs Monaten.2
Die Angaben zu Ashokas Herrschaft gehen auseinander: Die World History Encyclopedia nennt die Jahre 268 bis 232 v. Chr.4 Mookerji setzt seine Krönung auf 270 v. Chr. und ordnet die Säulenedikte dem 27. und 28. Regierungsjahr zu, also 243 bis 242 v. Chr.3 Das Edikt selbst nennt kein Jahr nach heutiger Zählung, nur die Zahl der Jahre seit der Weihe.1
Die Säulen mit den Edikten standen unter anderem in Topra und Meerut; beide ließ Sultan Firuz Tughlaq 1356 nach Delhi bringen.3 Im Jahr 1837 entzifferte James Prinsep eine Inschrift auf einer großen Steinsäule in Delhi.2 Die Inschriften sind in der Brahmi-Schrift geschrieben, ihre Sprache ist ein Prakrit.5
Siehe auch
- Im Wald von Jaktorów stirbt 1627 die letzte bekannte Auerochsenkuh 1627 Auch dort stellte ein Herrscher Tiere per Erlass unter Schutz, für den Auerochsen kam er zu spät.
- In Montreal einigen sich die Staaten darauf, bis 2030 ein Drittel der Erde unter Schutz zu stellen 2022 Statt eines Königs mit einer Artenliste verabreden dort Staaten Ziele für die Artenvielfalt insgesamt.
Hierher verwiesen
- Erstes Litauisches Statut schützt ab 1529 den Wisent 1529 Auch dort stellte ein Herrscher einzelne Tierarten per Gesetz unter Schutz.
- Hadrians Waldinschriften im Libanon reservieren vier Baumarten 118 Auch dort legt ein Herrscher in Stein gehauen fest, was geschont werden muss.
- Xuanquan-Edikt von 5 n. Chr. schont Bäume, Tiere und Teiche 5 Zweieinhalb Jahrhunderte früher legt Ashoka in Indien per Inschrift fest, welche Tiere nicht getötet werden dürfen.
- Tianlü der Qin aus Shuihudi verbietet das Holzfällen im Frühjahr 217 v. Chr. Im selben Jahrhundert verbietet Ashoka in Indien per Inschrift, bestimmte Tiere zu töten.
- Lex luci Spoletina schützt einen heiligen Hain bei Spoleto 240 v. Chr. Fast zur selben Zeit stellt in Indien ein König Tiere per Inschrift unter Schutz.
- Lysias’ Ölbaumrede verteidigt einen Athener gegen Baumfrevel 396 v. Chr. Anderthalb Jahrhunderte später stellt in Indien ein König Tiere per Edikt unter Schutz.