Lysias’ Ölbaumrede verteidigt einen Athener gegen Baumfrevel
Kurz nach 397/6 v. Chr. schreibt Lysias in Athen die Verteidigung eines Landbesitzers, der einen Stumpf der heiligen Ölbäume Athenas entfernt haben soll. Ihm drohen Verbannung und der Verlust seines Vermögens.
Lysias schrieb eine Verteidigungsrede für einen wohlhabenden Landbesitzer, der angeklagt war, gegen die Vorschriften zum Schutz der Ölbäume der Athena verstoßen zu haben.4 Nach der Anklage hatte er im Archontat des Souniades einen Ölbaumstumpf ausgegraben.1 Angeklagt wurde er kurz nach 397/6 v. Chr.4 Zuerst lautete der Vorwurf, er habe einen Ölbaum von seinem Land entfernt; als eine Befragung derer, die den Ertrag der staatlichen Ölbäume abgeholt hatten, nichts ergab, hieß es, er habe einen Stumpf beseitigt.1 Ihm drohten Verbannung und der Verlust seines ganzen Vermögens.5,4
Die heiligen Ölbäume der Athena, die , lieferten das Öl, das die Sieger der Panathenäen als Preis erhielten.3 Anfangs sollen es 12 gewesen sein, die von der Akropolis in die Akademie verpflanzt worden waren.3 Wer einen der heiligen Ölbäume ausgrub oder umbrach, wurde nach der Athenaion Politeia früher vor dem Areopag angeklagt und im Fall einer Verurteilung mit dem Tod bestraft.2 Marietta Horster weist darauf hin, dass die Lysiasrede nicht den Tod, sondern Exil und Konfiskation als Strafe nennt.4 Für die jährliche Überprüfung der Bäume hatte der Areopag nach Lysias eigene Aufseher bestellt.4 Der Angeklagte selbst sagt, viele Grundstücke seien zur Zeit des Krieges dicht mit privaten und heiligen Ölbäumen bestanden gewesen, die inzwischen größtenteils ausgegraben seien.5
Rund siebzig Jahre nach der Rede entstand die Athenaion Politeia.4 Zu ihrer Zeit war das Verfahren außer Gebrauch, obwohl das Gesetz fortbestand, weil der Besitzer eines Hofes mit heiligen Ölbäumen das Öl abgab.2 Ob das Wort sēkos in der Rede einen Baumstumpf oder einen Zaun meint, ist in der Forschung umstritten; Horster hält den Baumstumpf für am plausibelsten.4 Weil die Rede eine Verteidigung ist, hält sie Verzerrungen bis in den eigentlichen Anklagepunkt für möglich.4
Siehe auch
- Platons „Kritias“ beschreibt, wie Attika Wald und Boden verlor 357 v. Chr. Wenige Jahrzehnte später beschreibt Platon, wie Attika seinen Wald und seinen Boden verlor.
- Ashokas fünftes Säulenedikt verbietet das Töten vieler Tierarten 242 v. Chr. Anderthalb Jahrhunderte später stellt in Indien ein König Tiere per Edikt unter Schutz.
Hierher verwiesen
- Lex luci Spoletina schützt einen heiligen Hain bei Spoleto 240 v. Chr. Auch in Athen standen Bäume, die einer Gottheit gehörten, unter Strafe.
- Ilissos-Verbot hält Häute und Gerbabfälle aus dem Athener Fluss 435 v. Chr. Wenige Jahrzehnte später verhandelt Athen vor Gericht einen Frevel an den heiligen Ölbäumen.
- Solons Gesetze regeln Brunnen, Baumabstände und Wolfsprämien 594 v. Chr. Ein späterer Athener Fall, in dem Ölbäume Gegenstand des Rechts sind.