--- id: lysias-oelbaumstumpf-396-v-chr title: Lysias’ Ölbaumrede verteidigt einen Athener gegen Baumfrevel date: -0395-01-01 datePrecision: decade dateSources: - s1 - s4 summary: >- Kurz nach 397/6 v. Chr. schreibt Lysias in Athen die Verteidigung eines Landbesitzers, der einen Stumpf der heiligen Ölbäume Athenas entfernt haben soll. Ihm drohen Verbannung und der Verlust seines Vermögens. themeId: theme-heilige-baeume seeAlso: - id: platon-kritias-bodenerosion-357-v-chr note: >- Wenige Jahrzehnte später beschreibt Platon, wie Attika seinen Wald und seinen Boden verlor. - id: ashoka-fuenftes-saeulenedikt-242-v-chr note: >- Anderthalb Jahrhunderte später stellt in Indien ein König Tiere per Edikt unter Schutz. verification: verified sources: - key: s1 title: Lysias, On the Olive Stump (Rede 7), Übersetzung W. R. M. Lamb, 1930 publisher: Perseids (Perseus Digital Library, Tufts University) url: https://cts.perseids.org/read/greekLit/tlg0540/tlg007/perseus-eng2/1-20 accessedAt: '2026-10-13' - key: s2 title: Aristoteles, The Athenian Constitution, Übersetzung F. G. Kenyon publisher: Project Gutenberg url: https://www.gutenberg.org/files/26095/26095-h/26095-h.htm accessedAt: '2026-10-13' - key: s3 title: 'Suda, mu 1248: moriai' publisher: Suda On Line, University of Kentucky url: https://www.cs.uky.edu/~raphael/sol/sol-entries/mu/1248 accessedAt: '2026-10-13' - key: s4 title: 'Marietta Horster: Die Olivenbäume der Athena und die Todesstrafe' publisher: Österreichische Akademie der Wissenschaften (austriaca.at) url: https://www.austriaca.at/0xc1aa5576_0x00123191.pdf accessedAt: '2026-10-13' - key: s5 title: >- Lysias 7: Defense in the Matter of an Olive Stump (Übersetzung Lamb, wie s1) publisher: University of Arkansas url: https://cmuntz.hosted.uark.edu/texts/lysias/defense-in-the-matter-of-an-olive-stump.html accessedAt: '2026-10-13' disputed: - claim: Strafe für den Frevel an einem heiligen Ölbaum positions: - value: Tod, nach Verurteilung durch den Areopag (für früher) source: s2 - value: Exil und Konfiskation des Vermögens source: s4 resolution: >- Die Athenaion Politeia beschreibt einen früheren Zustand; nach Horster fällt die Rede nicht in die Zeit, in der die Todesstrafe für diese Vergehen galt. provenance: origin: recherche model: beschaffer:sonnet createdBy: '/research (Musterlauf: umwelt)' reviewedBy: research reviewedAt: '2026-10-13' --- Lysias schrieb eine Verteidigungsrede für einen wohlhabenden Landbesitzer, der angeklagt war, gegen die Vorschriften zum Schutz der Ölbäume der Athena verstoßen zu haben.[^s4] Nach der Anklage hatte er im Archontat des Souniades einen Ölbaumstumpf ausgegraben.[^s1] Angeklagt wurde er kurz nach 397/6 v. Chr.[^s4] Zuerst lautete der Vorwurf, er habe einen Ölbaum von seinem Land entfernt; als eine Befragung derer, die den Ertrag der staatlichen Ölbäume abgeholt hatten, nichts ergab, hieß es, er habe einen Stumpf beseitigt.[^s1] Ihm drohten Verbannung und der Verlust seines ganzen Vermögens.[^s5][^s4] Die heiligen Ölbäume der Athena, die Moriai, lieferten das Öl, das die Sieger der Panathenäen als Preis erhielten.[^s3] Anfangs sollen es 12 gewesen sein, die von der Akropolis in die Akademie verpflanzt worden waren.[^s3] Wer einen der heiligen Ölbäume ausgrub oder umbrach, wurde nach der Athenaion Politeia früher vor dem Areopag angeklagt und im Fall einer Verurteilung mit dem Tod bestraft.[^s2] Marietta Horster weist darauf hin, dass die Lysiasrede nicht den Tod, sondern Exil und Konfiskation als Strafe nennt.[^s4] Für die jährliche Überprüfung der Bäume hatte der Areopag nach Lysias eigene Aufseher bestellt.[^s4] Der Angeklagte selbst sagt, viele Grundstücke seien zur Zeit des Krieges dicht mit privaten und heiligen Ölbäumen bestanden gewesen, die inzwischen größtenteils ausgegraben seien.[^s5] Rund siebzig Jahre nach der Rede entstand die Athenaion Politeia.[^s4] Zu ihrer Zeit war das Verfahren außer Gebrauch, obwohl das Gesetz fortbestand, weil der Besitzer eines Hofes mit heiligen Ölbäumen das Öl abgab.[^s2] Ob das Wort sēkos in der Rede einen Baumstumpf oder einen Zaun meint, ist in der Forschung umstritten; Horster hält den Baumstumpf für am plausibelsten.[^s4] Weil die Rede eine Verteidigung ist, hält sie Verzerrungen bis in den eigentlichen Anklagepunkt für möglich.[^s4] Ende der Datei: 5 Quellen.