König Johann besiegelt die Magna Carta
Am 15. Juni 1215 besiegelt König Johann auf einer Wiese bei Runnymede eine Urkunde, die ihn selbst an Regeln bindet. Zehn Wochen später erklärt der Papst sie für nichtig — drei Klauseln ihrer Fassung von 1297 gelten in England bis heute.
Am 15. Juni 1215 besiegelte König Johann von England auf einer Wiese bei Runnymede zwischen Windsor und Staines eine Urkunde, die er mit aufständischen Baronen ausgehandelt hatte.1,2,3 Die Datumszeile des Textes nennt den Ort ausdrücklich: gegeben "in the meadow that is called Runnymede", im siebzehnten Jahr seiner Regierung.2 Stephen Langton, der Erzbischof von Canterbury, hatte den Baronen die ältere Krönungscharta Heinrichs I. gezeigt.1
Die heute gebräuchliche Zählung teilt die Urkunde in 63 .2,3 Zwei Klauseln wirkten über den Anlass hinaus.1 Klausel 39: Kein freier Mann solle ergriffen, eingekerkert, seiner Rechte oder seines Besitzes beraubt werden, außer durch das Urteil seinesgleichen oder nach dem Recht des Landes.2 Klausel 40: Niemandem werde man Recht verkaufen, niemandem verweigern oder verzögern.2 Zusammen mit den Kapiteln I und IX gilt Kapitel XXIX der Fassung von 1297 bis heute im englischen Recht.4
Gehalten hat die Vereinbarung nicht.1 Bis August desselben Jahres erklärte Papst Innozenz III. die Urkunde für nichtig, weil sie unter Zwang zustande gekommen sei.1 Überlebt hat sie trotzdem, weil sie vervielfältigt worden war: Bis zu dreizehn Abschriften gingen an Kathedralen im ganzen Land.1 Heinrich III. ließ sie 1225 in veränderter Form neu ausfertigen; diese Fassung wurde 1297 Gesetz.2 Seit 1215 galt als gezeigt, dass nicht einmal der König über dem Recht des Landes stand.1
Siehe auch
- Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gilt bis heute 1789 Dort werden Rechte nicht mehr abgerungen, sondern als vorgefunden erklärt.
- Handel Der Stralsunder Frieden macht Kaufleute zur Vertragspartei eines Königs 1370 Auch dort musste eine Krone Vorrechte an diejenigen abtreten, die stärker waren.
Hierher verwiesen
- Religion Sarah Mullally wird 2026 als erste Frau Erzbischöfin von Canterbury 2026 Ein Vorgänger im Amt, Stephen Langton, wirkte 1215 an der Aushandlung der Magna Carta mit.
- Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gilt bis heute 1789 Dort wurden Vorrechte abgerungen, hier werden Rechte behauptet.
- Das Bill of Rights bindet die englische Krone an das Parlament 1689 474 Jahre zuvor derselbe Gedanke, aber als Zugeständnis eines Königs, nicht als Bedingung des Parlaments.
- Konflikte Der Westfälische Friede beendet den Dreißigjährigen Krieg 1648 Auch dort wurde ein Konflikt nicht entschieden, sondern in ein Verfahren überführt.
- Karl I. stimmt der Petition of Right zu 1628 Die Petition beruft sich auf ältere Zusagen, statt neue Rechte zu verlangen.
- Nihil novi: Polens König darf nicht mehr allein Gesetze erlassen 1505 Dort wird die Bindung einem König abgerungen, hier wird sie zur Geschäftsordnung.
- Die Goldene Bulle legt fest, wer den König wählt 1356 Dort binden die Barone den König an eine Urkunde, hier binden die Kurfürsten schon seine Wahl.
- Umwelt Charter of the Forest verkleinert 1217 die Königsforste Englands 1217 Die Charter of the Forest entstand als eigene Urkunde neben der Neufassung der Magna Carta.
- Cortes von León lassen erstmals Städtevertreter mitentscheiden 1188 Knapp drei Jahrzehnte später dieselbe Bewegung in England — und weit besser überliefert.
- Wormser Konkordat: Kaiser und Papst teilen die Bischofseinsetzung 1122 Auch dort bestimmt der Papst mit, wie weit königliche Macht gebunden wird.
- Alþingi entsteht auf Þingvellir als Versammlung für ganz Island 930 Dort wird Macht gebunden, hier wird sie ohne König überhaupt erst ausgeübt.
- Vertrag von Verdun: Karls des Großen Enkel teilen sein Reich 843 Erst als feststand, wer wo herrscht, konnte die Frage aufkommen, woran Herrschaft gebunden ist.
- Shōtoku gibt Japan eine Ordnung in siebzehn Artikeln 604 Sechs Jahrhunderte später wird in England nicht die Macht des Herrschers gestärkt, sondern die des Königs begrenzt.