Charter of the Forest verkleinert 1217 die Königsforste Englands
Am 6. November 1217 wird in England die Charter of the Forest ausgegeben. Sie entlässt Wälder aus dem königlichen Forstrecht, schafft Leibes- und Lebensstrafen für Wildfrevel ab und gibt freien Männern Rechte in ihren Wäldern.
Am 6. November 1217, im zweiten Regierungsjahr Heinrichs III., wurde in England die Charter of the Forest ausgegeben.1,4 Beglaubigt wurde sie an diesem Tag in der St Paul's Cathedral in London.3 Als Ratgeber nennt sie unter anderen den päpstlichen Legaten Guala und William Marshal, Earl of Pembroke, der für den jungen König das Reich regierte.1 Weil der König noch kein eigenes Siegel hatte, wurde sie mit den Siegeln dieser beiden versehen.1 Im selben Jahr war bereits die Magna Carta neu ausgegeben worden.1
1215 bestand fast ein Drittel des Landes in England aus Forsten.2 Diese waren keine Wildnis und nicht einmal ganz bewaldet, sondern umfassten auch offenes Grasland, Ackerland, Gewässer und Teile von Städten.2 Wälder, die Richard I. oder Johann zum Forst gemacht hatten, sollten sofort aus dem Forstrecht entlassen werden, sofern es nicht Wald aus königlichem Eigenbesitz war.1 Hatte schon Heinrich II. fremden Wald zum Forst gemacht, sollten ihn redliche Männer besichtigen und ihn gegebenenfalls ebenfalls aus dem Forstrecht entlassen.1 Niemand sollte mehr wegen Wildbret Leben oder Gliedmaßen verlieren; wer es sich leisten konnte, zahlte eine hohe Geldbuße, wer nicht, saß ein Jahr und einen Tag im Gefängnis.1,2 Jeder Freie durfte in seinem Wald im Forst Vieh weiden lassen und Schweine zur Mast treiben.1 Er durfte dort außerdem eine Mühle, einen Teich, eine Mergelgrube oder einen Graben anlegen, solange kein Nachbar Schaden nahm.1
Die Charter blieb bis 1971 Teil des englischen Rechts, als der Wild Creatures and Forest Laws Act an ihre Stelle trat.4,2 Dieses Gesetz hob das Forstrecht auf, außer soweit es die Ernennung und die Aufgaben der Verderers betraf.5 Ausgenommen blieb, was den Forest of Dean betraf.2
Siehe auch
- Politik König Johann besiegelt die Magna Carta 1215 Die Charter of the Forest entstand als eigene Urkunde neben der Neufassung der Magna Carta.
- Hadrians Waldinschriften im Libanon reservieren vier Baumarten 118 Auch dort behielt sich ein Herrscher Bäume vor; die Charter nahm solche Vorbehalte zurück.
- Edward I. verbietet um 1306/07 in London das Verbrennen von Seekohle 1306 Neunzig Jahre später greift wieder ein englischer König in die Nutzung von Brennstoff ein, diesmal in London.
Hierher verwiesen
- New Forest wird 1079 Jagdforst Wilhelms des Eroberers 1079 Knapp 140 Jahre später schränkt die Charter of the Forest die Königsforste und ihr Recht wieder ein.
- Ines Gesetze für Wessex bestrafen Brand und Fällen im Wald 690 Englisches Forstrecht, das wieder regelt, wer Schweine zur Mast in den Wald treiben darf.
- Justinians Institutionen: Luft, Wasser und Meer gehören allen 533 Ein späteres Recht der Allgemeinheit, Land zu nutzen, das ihr nicht gehört: Weide und Mast im Königsforst.