Edward I. verbietet um 1306/07 in London das Verbrennen von Seekohle
Um 1306/07 untersagten Proklamationen Edwards I., in London Seekohle zu verbrennen, wegen Rauch und Gestank. Die Quellen nennen verschiedene Jahre, und abgeschreckt hat das Verbot kaum jemanden.
1306 untersagte König Edward I. mit einer Proklamation, „sea coal“ zu verbrennen, weil ihr Rauch als Belästigung galt.4 The Chemical Engineer nennt königliche Proklamationen aus den Jahren 1306 und 1307, die in der City of London verboten.2 Medievalists.net datiert die Proklamation Edwards I. auf 1307 und schreibt, sie habe Seekohle in Brennöfen verboten, wegen des Geruchs und der Folgen für die Gesundheit.1 Ebenso datiert der Umwelthistoriker Stephen Mosley die Proklamation gegen Seekohle in den Brennöfen der Stadt auf 1307.7 Doing History in Public zitiert aus einer Urkunde von 1307, der Rauch verbreite einen unerträglichen Gestank und schade der Gesundheit der Magnaten, Bürger und übrigen Bewohner.5
Seekohle hieß so, weil sie als Ballast von Newcastle nach London verschifft wurde; in kleinen Mengen kam sie dort schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts an.1,8 Bis ins 12. Jahrhundert verbrannten die meisten Londoner Holz, das knapp und teuer wurde, als die Stadt wuchs und die Wälder schrumpften.3 Das Bevölkerungswachstum und die Abholzung in der Umgebung trieben die Londoner zur Seekohle, die billiger, aber schmutziger war.5 Die Beschwerden kamen überwiegend von Adligen und Oberschicht.1,8 Dieselbe Quelle hält es für möglich, dass der Rauch den Kalkbrennern gegenüber auch als Vorwand diente, ihre hohen Preise zu drücken.1,8
Nach der EPA sollte, wer Seekohle verbrannte oder verkaufte, gefoltert oder hingerichtet werden, und schon der erste Ertappte sei getötet worden; sie datiert das Verbot allerdings auf 1272.3 Doing History in Public schreibt vorsichtiger, offenbar sei mindestens ein Mensch dafür hingerichtet worden, die Durchsetzung aber meist schwach gewesen.5 Peter Brimblecombe fand 1976 für die verbreitete Erzählung, 1306 sei ein Mann wegen Seekohle gehängt worden, keinen Beleg in den Quellen; die Rollen jenes Jahres verzeichnen keinen Fall von Luftverschmutzung, und die Jahreszahl gehe womöglich auf einen Textfehler in John Stows „Survey of London“ zurück.8 The Chemical Engineer nennt die Wirkung der Proklamationen gering,2 die EPA schreibt, das Verbot habe niemanden abgeschreckt.3 Noch 1661 bat John Evelyn in seiner Schrift „Fumifugium“ König und Parlament, gegen das Kohlefeuer in London vorzugehen.3 Die Bibliothek des Caius College in Cambridge nennt sie das erste englische Buch über Luftverschmutzung.6
Siehe auch
- John Evelyns „Sylva“ ruft 1664 Englands Grundbesitzer zum Pflanzen von Bäumen auf 1664 Drei Jahre vor „Sylva“ hatte Evelyn in „Fumifugium“ den Kohlenrauch Londons beklagt.
- Peter Stromer sät 1368 im Nürnberger Reichswald Nadelholz 1368 Auf dieselbe Holzknappheit, die London zur Seekohle trieb, antwortete Stromer mit der Waldsaat.
- Energie Newcomen-Maschine pumpt um 1712 Wasser aus einer Kohlengrube 1712 Die Kohle, deren Rauch London verbieten wollte, trieb vier Jahrhunderte später die erste Dampfmaschine im Bergbau an.
Hierher verwiesen
- Statute of Cambridge verbietet 1388 Unrat in Gräben und Flüssen 1388 Gut achtzig Jahre früher geht die Krone in London gegen verdorbene Luft durch Kohlenrauch vor.
- Charter of the Forest verkleinert 1217 die Königsforste Englands 1217 Neunzig Jahre später greift wieder ein englischer König in die Nutzung von Brennstoff ein, diesmal in London.
- Ilissos-Verbot hält Häute und Gerbabfälle aus dem Athener Fluss 435 v. Chr. Auch in London richtet sich ein frühes Verbot gegen die Abfälle eines städtischen Gewerbes.