Filter

Neumark-Nord: Neandertaler kochen Knochenfett vor 125.000 Jahren

Belegt durch 4 unabhängige Quellen

ZeitalterUrgeschichte

Zuletzt geändert am

In Neumark-Nord in Mitteldeutschland gewannen Neandertaler vor 125.000 Jahren Fett aus den Knochen von mindestens 172 großen Säugetieren. Belegt war diese Arbeit bis dahin erst für Menschen des Jungpaläolithikums.

In der Seenlandschaft von Neumark-Nord in Mitteldeutschland verarbeiteten Neandertaler an einem Uferplatz die Knochen von mindestens 172 großen Säugetieren.12 Sie zerschlugen die Knochen in Zehntausende kleiner Stücke und erhitzten sie in Wasser, um daraus kalorienreiches zu gewinnen.2 Die Fundschicht stammt aus dem letzten Interglazial vor rund 125.000 Jahren, einer Warmzeit mit ähnlichen Temperaturen wie heute.21 Unter den Tieren waren nach der Mindestzahl der Individuen 56 Pferde, 45 Rinder und 54 Hirsche.1 Die Studie erschien am 2. Juli 2025 in der Zeitschrift Science Advances.1

Nach Annahme der Forscher zerschlugen die Neandertaler die markreichen Knochen mit Steinhämmern und kochten sie mehrere Stunden; das Fett stieg auf und ließ sich nach dem Abkühlen abschöpfen.31 Belegt war diese aufwendige Nutzung bis dahin nur für Menschen des Jungpaläolithikums.1 Der früheste bisherige Nachweis war rund 28.000 Jahre alt.1

Das erste Seebecken des Fundkomplexes, Neumark-Nord 1, entdeckte 1985 der Geologe Matthias Thomae,45 die Fundstelle Neumark-Nord 2 im Jahr 1995 der Jenaer Archäologe Dietrich Mania.5 Die Mitteilung der Universität Leiden schreibt den ganzen Fundkomplex Mania zu.2 Ausgegraben wurde Neumark-Nord 2 ab 2004 bis 2008;15 die Mitteilung nennt 2009.2 Die Ausgräber bargen 118.774 stark zerkleinerte Tierreste mit Schnittspuren.1 Bei CNN ist gerundet von rund 120.000 Knochenstücken und 16.000 Feuersteinwerkzeugen die Rede.3

Wie genau die Neandertaler die Knochen verarbeiteten, ist nach den Autoren nicht geklärt.3 Experimente zeigen, dass Behälter aus Hirschhaut oder Birkenrinde direkt über dem Feuer Wasser ausreichend erhitzen können.1 Die Autoren vermuten, dass Teile der Tiere zuvor in der Seenlandschaft gelagert und später an den Platz gebracht wurden; sie nennen das selbst Spekulation.1

Siehe auch