Filter

Figueira Brava: Neandertaler essen vor 106.000 Jahren Meeresfrüchte

Belegt durch 4 unabhängige Quellen

ZeitalterUrgeschichte

Zuletzt geändert am

In der Höhle Figueira Brava in Portugal aßen Neandertaler vor 106.000 bis 86.000 Jahren Muscheln, Krabben, Fische und Robben. Die Studie stellt sie damit beim Nutzen des Meeres neben den frühen Homo sapiens im südlichen Afrika.

In der Höhle Figueira Brava an der Atlantikküste Portugals lebten Neandertaler vor rund 106.000 bis 86.000 Jahren über längere Zeit auch von Nahrung aus dem Meer.12 Die Höhle liegt an der rund 20 Kilometer langen Küste des Arrábida-Gebirges, 30 Kilometer südlich von Lissabon.1 Die Studie unter Leitung des Archäologen João Zilhão von der Universität Barcelona erschien 2020 in der Zeitschrift Science.14 Das Alter wurde mit der Uran-Thorium-Methode an Tropfsteinablagerungen in der Höhle bestimmt.3

Die Ausgrabung legte Abfallhaufen aus Muschelschalen frei, mit Resten von Weichtieren, Krabben und Fischen und daneben Nahrung vom Land.4 Zu den Meerestieren gehörten Miesmuscheln, Napfschnecken, Aale und sogar Haie.1 Die Hälfte der Kost stammte von der Küste, darunter auch Seevögel, Delfine und Robben.2 Außerdem aßen die Bewohner Schildkröten, Enten, Gänse, Rothirsche, Pferde, Steinböcke und Auerochsen.1 Sie nutzten auch die Kerne der Pinie, ähnlich wie es von Fundstellen aus dem Holozän auf der Iberischen Halbinsel bekannt ist.4 Als die Höhle bewohnt war, lag sie mehr als 1,6 Kilometer vom Ufer entfernt; heute liegt sie direkt am Wasser.3

Ein einflussreiches Modell sieht im Verzehr von Meerestieren, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, eine Ursache für die geistigen Fähigkeiten des modernen Menschen.23 Die Studie stellt die Nutzung des Meeres in Figueira Brava auf eine Stufe mit der des frühen Homo sapiens im südlichen Afrika.4 Die Autoren schließen daraus, dass eine solche Kost, wenn sie für die geistige Entwicklung wichtig war, für alle Menschen einschließlich der Neandertaler eine Rolle spielte.2 Manuel Will hält in einem Kommentar zur Studie dagegen, sie verkleinere den Abstand zum Homo sapiens, schließe ihn aber nicht.1 Nach seinem Vergleich von fast 60 Küstenfundstellen aus der Zeit vor rund 300.000 bis 40.000 Jahren nutzte Homo sapiens die Küste intensiver.1

Siehe auch