Jiahu-Flöten: fast 9.000 Jahre alt und noch spielbar
In der jungsteinzeitlichen Siedlung Jiahu in China fanden Archäologen Flöten aus Kranichknochen, fast 9.000 Jahre alt. Eine davon ließ sich noch spielen; ihre Tonfolge wurde 1999 in Nature beschrieben.
In der jungsteinzeitlichen Siedlung Jiahu in der chinesischen Provinz Henan fanden Archäologen sechs vollständige Knochenflöten und Bruchstücke von etwa 30 weiteren.1,3 Die Flöten sind aus den Flügelknochen des Mandschurenkranichs gefertigt und haben fünf bis acht Grifflöcher.2,3 Die Siedlung war von 7000 bis 5700 v. Chr. bewohnt.1,2 Die untersuchte Flöte ist fast 9.000 Jahre alt.1 Beschrieben wurden die Funde in der Zeitschrift Nature.3
Datiert sind die Flöten nicht direkt, sondern über 20 Radiokarbondaten aus Holzkohle, Pflanzenasche und Menschenknochen, die mit ihnen gefunden wurden.2 Der Chemiker Garman Harbottle vom Brookhaven National Laboratory, der bei der Auswertung half, wollte die Flöten an Bruchstücken auch selbst datieren lassen.2 Die Altersangaben reichen von 7.000 bis 9.000 Jahren3 bis zu 8.000 bis 9.000 Jahren.2
Die am besten erhaltene Flöte hat sieben Hauptlöcher und ein kleines Zusatzloch.1 Sie wurde gespielt, und ihre Tonleiter ähnelt der westlichen Achttonleiter, die mit do, re, mi beginnt.2,3 Ohne Tests an weiteren Flöten lasse sich nicht sagen, ob sie Vorläufer der sechstönigen Qing-Shan- oder der siebentönigen Xia-Shi-Tonleiter sei, schreiben die Autoren; beide sind erst sechs Jahrtausende später belegt.1 Eine spätere Analyse von fünf Flöten ergab eine allmähliche Entwicklung von der Vier- zur Siebentonleiter.4 Ältere Flöten aus Fundzusammenhängen der Neandertaler seien so bruchstückhaft, dass sich ihr Klang kaum mehr als erraten lasse.1
Siehe auch
- Flöten vom Hohle Fels: Musikinstrumente vor 40.000 Jahren vor ca. 40.000 Jahren Auch die Flöten von der Schwäbischen Alb sind aus Vogelknochen, rund 30.000 Jahre älter.
- Divje-Babe-Flöte gilt als Neandertaler-Werk, Kritiker sehen Bisse vor ca. 43.000 Jahren Einer der bruchstückhaften Funde aus Neandertaler-Zusammenhang, auf die die Jiahu-Autoren verweisen.
- Ernährung und Landwirtschaft Jiahu: Getränk aus Reis, Honig und Früchten gärt um 7000 v. Chr. 7000 v. Chr. Aus derselben Siedlung stammt der Nachweis eines gegorenen Getränks.
Hierher verwiesen
- Glockenspiel des Marquis Yi: 65 Glocken mit je zwei Tönen 433 v. Chr. Rund sechs Jahrtausende früher entstand in China die Jiahu-Flöte mit ihrer eigenen Tonfolge.
- Tontrommeln der Jungsteinzeit: an der Elbe mit Fell bespannt 3400 v. Chr. Das letzte Instrument davor im Bestand, rund dreieinhalb Jahrtausende älter und ein Blasinstrument.
- Flöten von Eynan-Mallaha ahmen vor 12.000 Jahren Greifvögel nach vor ca. 12.000 Jahren Auch die Jiahu-Flöten sind aus Vogelknochen geschnitzt, rund drei Jahrtausende später.
- Muschelhorn von Marsoulas gibt nach 18.000 Jahren drei Töne vor ca. 18.000 Jahren Auch die Jiahu-Flöten wurden nach Jahrtausenden wieder gespielt.
- Divje-Babe-Flöte gilt als Neandertaler-Werk, Kritiker sehen Bisse vor ca. 43.000 Jahren Die Jiahu-Autoren halten Flöten aus Neandertaler-Fundzusammenhängen für zu bruchstückhaft.