Divje-Babe-Flöte gilt als Neandertaler-Werk, Kritiker sehen Bisse
1995 fand Ivan Turk in der slowenischen Höhle Divje babe einen Bärenknochen mit Löchern, den das Nationalmuseum als Neandertalerflöte zeigt. Ob die Löcher gebohrt oder von Hyänen gebissen sind, ist bis heute umstritten.
1995 fand Ivan Turk bei systematischen Ausgrabungen in der Höhle Divje babe bei Cerkno im Westen Sloweniens den Oberschenkelknochen eines jungen Höhlenbären mit einer Reihe kleiner Löcher.1,4 Das Stück lag in Ablagerungen aus der Zeit der Neandertaler und wurde deshalb, als Flöte gedeutet, einem Neandertaler zugeschrieben.4 Das Nationalmuseum Sloweniens zeigt es in seiner Dauerausstellung als Neandertalerflöte mit vier Löchern.1
RTV Slovenija und National Geographic nennen rund 43.000 Jahre;2,3 das Nationalmuseum gibt 60.000 Jahre vor heute an.1 Die Fundschicht entstand nach seinen Angaben vor etwa 60 bis 50 Jahrtausenden;1 ihr Alter wurde über Elektronenspinresonanz an Bärenzähnen bestimmt.1 Die Ausgräber geben dafür 50.000 bis 60.000 Jahre an, gemessen an Zähnen aus dem oberen Teil der Fundschicht; einen Radiokarbonwert von 43.140 Jahren finden sie unter den rund hundert veröffentlichten Daten der Fundstelle nicht.5 Das Carnegie Museum of Natural History spricht von Ablagerungen, die zwischen 40.000 und 60.000 Jahre alt sein sollen.4 Wäre der Knochen eine Flöte, hätte es Musikinstrumente schon vor 43.000 Jahren gegeben, weit früher als bis dahin angenommen.2
Nicht alle Fachleute folgten Turks Deutung: Eine Gruppe von Wissenschaftlern hielt Bissspuren eines anderen Tieres für weit wahrscheinlicher.2 Kritiker verwiesen auch darauf, dass neben den Löchern Werkzeugspuren fehlen und der Knochen kurz ist.2 Der Paläobiologe Cajus Diedrich untersuchte Bruchmuster und Tierreste an 15 Höhlenfundorten.3 An angeblichen Neandertalerflöten fand er keine Spuren von Steinbohrern, sondern Zahnspuren eiszeitlicher Hyänen.3 Nach der Anthropologin April Nowell halten die meisten Paläoanthropologen das Stück für einen von Raubtieren benagten Knochen.3 Das Nationalmuseum hält dagegen, Analysen und Experimente hätten ausgeschlossen, dass die Löcher von Tierbissen oder vom Zufall stammen.1 Die Befürworter fragen, warum der Knochen keine Bruchspuren und auf der Gegenseite keine Bissspuren zeige, wenn ein Tier die Löcher verursacht habe.2 Das Carnegie Museum nennt die Frage, wie und wann die Löcher entstanden, unentschieden.4
Siehe auch
- Flöten vom Hohle Fels: Musikinstrumente vor 40.000 Jahren vor ca. 40.000 Jahren Die Flöten von der Schwäbischen Alb sind etwas jünger, ihre Deutung als Instrument ist aber unstrittig.
- Jiahu-Flöten: fast 9.000 Jahre alt und noch spielbar 7001 v. Chr. Die Jiahu-Autoren halten Flöten aus Neandertaler-Fundzusammenhängen für zu bruchstückhaft.
Hierher verwiesen
- Jiahu-Flöten: fast 9.000 Jahre alt und noch spielbar 7001 v. Chr. Einer der bruchstückhaften Funde aus Neandertaler-Zusammenhang, auf die die Jiahu-Autoren verweisen.