Muschelhorn von Marsoulas gibt nach 18.000 Jahren drei Töne
In der Höhle von Marsoulas in den Pyrenäen lag das Gehäuse einer Meeresschnecke, das vor rund 18.000 Jahren zum Blasinstrument umgearbeitet wurde. Eine Studie von 2021 hält es für das älteste Blasinstrument seiner Art; ein Hornist spielte darauf drei Töne.
Die bemalte Höhle von Marsoulas in den französischen Pyrenäen wurde vor rund 18.000 Jahren erstmals von Menschen des bewohnt.2 Archäologen fanden dort 1931 das Gehäuse einer großen Meeresschnecke und hielten es für ein Trinkgefäß.3,4 Es stammt von der Art Charonia lampas1 und ist rund 30 Zentimeter lang.2 Eine Untersuchung, die am 10. Februar 2021 in der Zeitschrift Science Advances erschien, deutete es als Musikinstrument.1
Die Spitze des Gehäuses ist abgebrochen, sodass eine Öffnung von 3,5 Zentimetern Durchmesser entstand.1 Weil die Spitze der härteste Teil der Schale ist, war der Bruch nach Einschätzung der Forscher kein Zufall.1 Auch die natürliche Lippe an der Mündung wurde gewaltsam entfernt.3 Eine Computertomografie zeigte, dass eine der ersten Windungen durchbohrt ist.1 Die Schale trägt rotes Pigment, Hämatit, wie es für die Höhle von Marsoulas typisch ist.1,4
Ein Hornist entlockte dem Instrument drei Töne nahe den Noten C, Cis und D.1,2 Mehr gelang ihm nach Aussage der Forscherin Carole Fritz nicht, weil der scharfe Rand der Öffnung ihn daran hinderte, die Lippen richtig anzusetzen.2 Weil die Öffnung unregelmäßig und mit organischem Material überzogen ist, vermuten die Forscher, dass ein Mundstück aufgesetzt war.1
Datiert wurde nicht die Muschel selbst, sondern Holzkohle und ein Bärenknochen aus derselben Fundschicht; die Radiokarbondatierung ergab rund 18.000 Jahre.1 Damit gilt das Muschelhorn von Marsoulas als ältestes Blasinstrument seiner Art.1 Aus älteren Fundschichten des europäischen Jungpaläolithikums kennt man bisher nur Flöten, und Muschelhörner außerhalb Europas sind deutlich jünger.1 Das rote Pigment ähnelt Punkten an den Wisentbildern der Höhle, was die Forscher auf einen zeremoniellen Gebrauch schließen lässt.4
Siehe auch
- Flöten vom Hohle Fels: Musikinstrumente vor 40.000 Jahren vor ca. 40.000 Jahren Flöten wie diese sind die einzigen älteren Instrumente des europäischen Jungpaläolithikums.
- Jiahu-Flöten: fast 9.000 Jahre alt und noch spielbar 7001 v. Chr. Auch die Jiahu-Flöten wurden nach Jahrtausenden wieder gespielt.
Hierher verwiesen
- Kunst Lascaux: Höhlenbilder bis zu 20.000 Jahre alt, nie direkt datiert vor ca. 20.000 Jahren Aus derselben Zeit und Gegend: ein Muschelhorn aus einer Pyrenäenhöhle, dem Magdalénien zugeordnet.