Das bewegte Fließband bei Ford
1913 lässt Ford im Werk Highland Park das Fahrgestell des Model T an den Arbeitern vorbeiziehen statt umgekehrt. Die Montagezeit fällt von über zwölf Stunden auf gut anderthalb — und der Preis des Autos mit ihr.
Im Herbst 1913 stellte die Ford Motor Company im Werk Highland Park die Montage des Model-T-Fahrgestells auf ein bewegtes Fließband um.1,2 Am 7. Oktober 1913 lief das Fahrgestell erstmals auf einer durchgehend bewegten Linie; zum 1. Dezember folgte die Montage des gesamten Fahrzeugs.2 Die Grundidee: Die Arbeit sollte zu den Arbeitern kommen statt die Arbeiter zum Fahrzeug.1
Die Anlage der ersten Zeit war einfach.1,3 Das Museum The Henry Ford beschreibt das Fließband von 1913 als vergleichsweise grob — die Fahrzeuge wurden von den Arbeitern von Station zu Station geschoben oder gezogen; erst im Folgejahr kam der kettengetriebene Antrieb hinzu.3 Auch Ford selbst beschreibt den Übergang so: zuerst ein Seil, später eine einfache umlaufende Kette.1
Wie stark die Montagezeit fiel, geben die Quellen unterschiedlich an — je nachdem, welcher Zeitpunkt gemeint ist.1,2 Die Society of Automotive Historians nennt einen Rückgang von zwölfeinhalb Stunden auf zunächst sechs und später 93 Minuten; Ford nennt für das Ergebnis neunzig Minuten je Wagen.1,2 In der Spitze verließ alle 24 Sekunden ein Model T das Band.2
Eine wichtige Folge zeigte sich im Preis.1 Bei seiner Einführung 1908 kostete das Model T 850 Dollar; das Henry-Ford-Museum und die Society of Automotive Historians nennen übereinstimmend diesen Betrag, Ford selbst 825.1,2,4 Bis 1916 fiel der Preis auf 360 Dollar2 und bis 1925 auf 260.1 Bezahlt wurde diese Produktivität mit eintöniger Arbeit, und die Belegschaft lief davon.1 Fords Antwort war der Fünf-Dollar-Tag — eine Gewinnbeteiligung, die den Tageslohn mehr als verdoppelte; zugleich verkürzte er die Schicht um eine Stunde, was einen dritten Schichtblock und damit durchgehenden Betrieb ermöglichte.1
Siehe auch
- Benz Patent-Motorwagen erhält 1886 das Reichspatent DE 37435 1886 Das Einzelstück, aus dem hier ein Massenprodukt wurde.
- Die erste Containerfahrt der Ideal-X 1956 Dieselbe Idee am Hafen — nicht das Gut bewegen, sondern den Vorgang normen.
Hierher verwiesen
- Die autofreien Sonntage 1973 Erst die billige Massenmotorisierung machte das Fahrverbot einschneidend.
- Der Dreipunktgurt und das freigegebene Patent 1959 Erst die Massenmotorisierung machte aus Einzelunfällen eine Statistik.
- Die erste Containerfahrt der Ideal-X 1956 Auch hier gewinnt nicht die bessere Maschine, sondern der genormte Ablauf.
- Benz Patent-Motorwagen erhält 1886 das Reichspatent DE 37435 1886 Erst die Fertigung machte aus dem Einzelstück ein Verkehrsmittel.