Die autofreien Sonntage
Im November 1973 verbietet die Bundesregierung an vier Sonntagen das Autofahren und senkt die zulässigen Geschwindigkeiten. Zum ersten Mal wird sichtbar, woran der Verkehr der Bundesrepublik hängt.
Am 25. November 1973 trat in der Bundesrepublik zum ersten Mal ein bundesweites Fahrverbot in Kraft.1,3 Rechtsgrundlage war das vom 9. November 1973, auf dessen Basis eine Verordnung Fahrverbote an vier Sonntagen und Geschwindigkeitsbegrenzungen anordnete.3,4 An den übrigen Tagen galt vorübergehend Tempo 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen.1 Ausnahmen gab es nur für wenige Gruppen; die Quellen nennen Taxis, Ärzte und Lieferanten von Frischware4 beziehungsweise Polizei, Feuerwehr und Ärzte.2
Anlass war der Jom-Kippur-Krieg und die Entscheidung der arabischen Förderstaaten, Öl als politisches Druckmittel einzusetzen.1,2 Die Bundesregierung unter Willy Brandt reagierte mit dem Energiesicherungsgesetz, das unter anderem vier autofreie Sonntage und ein vorübergehendes Tempolimit umfasste.2
Menschen gingen entgegen den Warnungen im Rundfunk zu Fuß, mit dem Fahrrad, auf Rollschuhen oder mit Pferdefuhrwerken auf die Autobahnen.2 Für rund dreizehn Millionen Autofahrer war das ein Sonntag ohne Wagen.2
Wirtschaftlich war der Einschnitt erheblich.1 Der Ölpreis stieg von rund drei Dollar je Fass im Jahr 1973 auf zwölf Dollar 1974; die Ausgaben der Bundesrepublik für Rohöl nahmen um fast 153 Prozent zu, die Industrieproduktion fiel um 7,6 Prozent, und die Zahl der Arbeitslosen stieg binnen zweier Jahre von 273.000 auf über eine Million.1 Politisch folgten daraus die Einführung der Sommerzeit, der Beschluss, vierzig Atomkraftwerke zu bauen, und die Gründung der Internationalen Energieagentur.1,2 Die Debatte darüber, wie abhängig ein Land von einem eingeführten Rohstoff sein darf, erlebte danach eine Renaissance; angestoßen hatte sie 1972 der Club of Rome.1
- Arabische Förderstaaten erhöhen die Rohölpreise um 17 Prozent
- OAPEC verhängt ein Ölembargo gegen israelfreundliche Staaten
- Energiesicherungsgesetz tritt in Kraft
- Erster autofreier Sonntag
- Vierter und letzter autofreier Sonntag
| Datum | Ereignis | Beleg |
|---|---|---|
| 17. Oktober 1973 | Arabische Förderstaaten erhöhen die Rohölpreise um 17 Prozent | [3] |
| 19. Oktober 1973 | OAPEC verhängt ein Ölembargo gegen israelfreundliche Staaten | [3] |
| 9. November 1973 | Energiesicherungsgesetz tritt in Kraft | [3] |
| 25. November 1973 | Erster autofreier Sonntag | [3] |
| 16. Dezember 1973 | Vierter und letzter autofreier Sonntag | [4] |
Siehe auch
- Energie Das arabische Ölembargo löst die erste Ölpreiskrise aus 1973 Dieselbe Krise, von der Seite der Energieversorgung aus betrachtet.
- Benz Patent-Motorwagen erhält 1886 das Reichspatent DE 37435 1886 Siebenundachtzig Jahre nach dem ersten Motorwagen stand er still.
- Das bewegte Fließband bei Ford 1913 Erst die billige Massenmotorisierung machte das Fahrverbot einschneidend.
Hierher verwiesen
- Deutschlandticket startet 2023 für 49 Euro im Monat bundesweit 2023 Auch damals griff der Staat in den Verkehr ein, mit einem Verbot statt mit einem Preis.
- Drei Monate Nahverkehr für neun Euro 2022 Auch 1973 griff der Staat bei teurer Energie in den Verkehr ein — mit einem Verbot statt mit einem Preis.
- Der TGV nimmt Paris–Lyon den halben Weg ab 1981 Acht Jahre nach dem Ölschock holt die Schiene Verkehr vom Flugzeug zurück.
- Energie Das arabische Ölembargo löst die erste Ölpreiskrise aus 1973 Dieselbe Krise, wie sie im Straßenverkehr sichtbar wurde.