Schahname: Kai Kawus lässt sich von Adlern zum Himmel tragen
In Firdausis Schahname, vollendet im frühen 11. Jahrhundert, bindet Schah Kai Kawus hungrige Adler an einen Thron und lässt sich von ihnen in die Wolken heben. Die Vögel ermatten, und der Schah stürzt in einen Wald.
Im Schahname, das der persische Dichter Firdausi im frühen 11. Jahrhundert vollendete, lässt sich Schah Kai Kawus auf einem Thron von Adlern in den Himmel tragen.1,2 An den vier Ecken des Throns ließ er Lanzen anbringen, an ihnen hing Fleisch, und vier Adler wurden an den Thron gebunden.1,2 Die hungrigen Vögel schlugen mit den Flügeln, um das Fleisch zu erreichen, und hoben den Thron zu den Wolken.2,1
Zum Aufstieg verführt ihn ein Dämon.1,2 Der Dämon erscheint ihm als Jüngling und überredet ihn, zum Himmel aufzusteigen und die Geheimnisse der Himmelssphäre zu erfahren, was noch kein Herrscher erreicht habe.1 Daraufhin fragt Kai Kawus Gelehrte, wie weit es von der Erde bis zum Mond sei.2 Wozu er aufstieg, lässt das Epos offen: Er habe die Engel überfliegen oder den Himmel selbst angreifen wollen.2
Als die Adler ermatteten, sanken sie mit dem Schah zur Erde, in einen Wald bei Amul.2 Kai Kawus überstand den Sturz wie durch ein Wunder unverletzt.1,2 Er blieb beschämt im Wald zurück, bis Rustam, Giv und Tus ihn mit ihren Truppen fanden.1,2 Der alte Gudarz hielt ihm vor, man werde von einem Schah erzählen, der zum Himmel flog, um Sonne und Mond zu sehen und die Sterne zu zählen.2
Das Schahname umfasst 52.000 Doppelverse und erzählt die Geschichte Irans bis zur arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert.4,1 Die Warners rechneten aus Firdausis eigener Datierung den 25. Februar 1010 als Tag der Vollendung aus.3 Ein Blatt aus einer 1341 abgeschlossenen Abschrift des Schahname zeigt Kai Kawus gekrönt in einem Gefährt, das dem Korb eines Heißluftballons gleicht; das Fleisch fehlt auf dem Bild.1
Siehe auch
- Etana-Epos: Ein König von Kisch fliegt auf einem Adler zum Himmel 2300 v. Chr. Mehr als drei Jahrtausende früher trägt schon im Etana-Epos ein Adler einen König zum Himmel.
- Lukians „Wahre Geschichten“ schicken ein Schiff zum Mond 150 Die vorige Himmelsreise im Bestand, acht Jahrhunderte früher und als Parodie erzählt.
- Johannes Keplers Mondreise „Somnium“ erscheint 1634 nach seinem Tod 1634 Die Frage, wie weit es bis zum Mond ist, stellt Kepler sechs Jahrhunderte später mit den Mitteln der Astronomie.
Hierher verwiesen
- Taketori monogatari: Prinzessin Kaguya kehrt zum Mond zurück 901 Um dieselbe Zeit lässt das persische Schahname einen König zum Himmel fliegen.
- Etana-Epos: Ein König von Kisch fliegt auf einem Adler zum Himmel 2300 v. Chr. Auch im Schahname tragen Adler einen König zum Himmel, an seinen Thron gebunden.