Johannes Keplers Mondreise „Somnium“ erscheint 1634 nach seinem Tod
1634 erschien Johannes Keplers „Somnium“, in dem ein Geist Menschen zum Mond tragen kann. Vom Mond aus sollte die Bewegung der Erde so sichtbar werden, wie Kopernikus sie lehrte.
1634 erschien Johannes Keplers „Somnium“ (Der Traum), nach dem Tod seines Autors.2 Offiziell veröffentlicht wurde das Buch nach APS News erst 1634, lange nach dem Hexenprozess gegen Keplers Mutter Katharina.1 Kepler war am 15. November 1630 gestorben, und Bearbeitung und Druck des Werks brachen damit ab.3 Sein Schwiegersohn Jacob Bartsch setzte die Arbeit 1631 in Sagan fort, abgeschlossen hat sie 1634 Keplers Sohn Ludwig in Frankfurt.3,4
Erzählt wird von der weisen Frau Fiolxhilde, die Zaubermittel verkauft und mit einem Dämon im Mond Umgang hat; APS News sieht darin eine starke Ähnlichkeit mit Keplers Mutter.1 Nach der Zeitschrift Astronomy kann sie einen Geist oder Daimon rufen, der sie in ferne Länder tragen oder über sie belehren kann, darunter die „Insel Levania“, den Mond.2 Die Geschichte selbst umfasst rund 30 Seiten; um die Wissenschaft dahinter zu erklären, fügte Kepler 223 ausführliche Anmerkungen hinzu.2 Nach Christie's zeigt das Buch, dass einem Besucher auf dem Mond die Bewegung der Erde so offensichtlich wäre wie den Erdbewohnern die des Mondes, und macht so die Lehre des Kopernikus anschaulich.3 Den Ausgangspunkt bildete eine Frage, die Kepler in Tübingen als Dissertation vorschlug: wie die Vorgänge am Himmel einem Beobachter auf dem Mond erscheinen würden.2 Damit antwortete er Kritikern des Kopernikus, die darauf bestanden, dass die Erde sich nicht bewegen könne.2
Eine Fassung des Manuskripts hatte Kepler nach Astronomy 1611 in Umlauf gebracht, und als er 1615 erfuhr, dass seine Mutter der Hexerei beschuldigt wurde, war er überzeugt, seine Gegner hätten sie gelesen.2 Einige Historiker vermuten nach APS News, dass Kepler die Gerüchte mit dem Text selbst genährt haben könnte.1 Der Kepler-Biograf James Voelkel hält es dagegen nicht für erwiesen, dass das Manuskript tatsächlich nach außen gelangt war.2
APS News nennt das „Somnium“ mit Vorbehalt das wohl früheste Werk der Science-Fiction, weil es eine Reise zum Mond beschreibt.1 Adam Roberts, Professor an der University of London und Autor einer Geschichte der Science-Fiction, bezeichnet es als „the first proper work of science fiction“.2
Siehe auch
- Jules Verne schickt 1865 in einem Roman drei Männer mit einer Kanone zum Mond 1865 Zwei Jahrhunderte später schickt ein Roman wieder Menschen zum Mond, nun mit einer Kanone statt eines Geistes.
- Rechentechnik Wilhelm Schickard beschreibt Kepler 1623 eine Rechenmaschine für alle vier Grundrechenarten 1623 Während Kepler am Somnium arbeitete, beschrieb ihm Schickard aus Tübingen eine Rechenmaschine.
Hierher verwiesen
- Cyrano de Bergeracs Erzähler fliegt 1657 per Rakete zum Mond 1657 Eine frühere Mondreise, die ebenfalls erst nach dem Tod ihres Autors erschien.
- Orlando furioso: Astolfo holt Orlandos Verstand vom Mond 1516 Ein gutes Jahrhundert später ließ Kepler seinen Erzähler im Traum zum Mond reisen.
- Schahname: Kai Kawus lässt sich von Adlern zum Himmel tragen 1010 Die Frage, wie weit es bis zum Mond ist, stellt Kepler sechs Jahrhunderte später mit den Mitteln der Astronomie.
- Lukians „Wahre Geschichten“ schicken ein Schiff zum Mond 150 Fast anderthalb Jahrtausende später schickt Kepler einen Erzähler zum Mond, nun mit der Astronomie seiner Zeit.