Nikolai Kibaltschitsch entwirft 1881 in der Haft ein Fluggerät mit Pulverrakete
Nach dem Attentat auf Zar Alexander II. zeichnete der verurteilte Bombenbauer Nikolai Kibaltschitsch 1881 in der Haft ein Fluggerät. Ein Pulvertriebwerk sollte es tragen und steuern. Der Entwurf lag bis 1917 in den Archiven.
Nikolai Kibaltschitsch arbeitete in der Untergrundorganisation Narodnaja Wolja als „Cheftechniker“ und stellte Sprengstoffe für Anschläge her.1,3 Am 1. März 1881 wurde Zar Alexander II. ermordet.1,2 Kibaltschitsch wurde am 17. März 1881 verhaftet1,3 und verurteilt, weil er die Bomben für die eigentlichen Attentäter gebaut hatte.2 In der Haft zeichnete er den Entwurf eines Fluggeräts, das ein Feststofftriebwerk antreiben sollte.1,2 Am 3. April 1881 wurde er gehängt.1,3
Nach dem Entwurf sollte Schießpulver fortlaufend in eine Brennkammer nachgeführt und gezündet werden; der Schub sollte eine Plattform anheben und in der Luft halten.2 Steuern wollte Kibaltschitsch das Gerät, indem er die Schubrichtung des Triebwerks und den Winkel der Plattform verstellte.2 Gizmodo beschreibt das Triebwerk als kardanisch gelagert, sodass es sich zum Steuern in jede Richtung schwenken ließ.3 In seinen Notizen schrieb Kibaltschitsch, er verfasse das Projekt im Gefängnis wenige Tage vor seinem Tod;3 nach dem New Mexico Museum of Space History stand der Satz in einem Gnadengesuch an den Innenminister vom 31. März 1881.2
Kibaltschitsch hatte verlangt, den Entwurf Wissenschaftlern vorzulegen; stattdessen verschwand er in geheimen Archiven.3 Nach dem Museum entdeckten bolschewistische Forscher ihn im August 1917, und 1918 erschienen seine Ideen in einer bolschewistischen Zeitschrift.2 Konstantin Ziolkowski hielt Kibaltschitsch nach Darstellung des Museums für seinen bedeutendsten Vorgänger.2 Ein Krater auf dem Mond trägt seinen Namen.1,2
RussianSpaceWeb nennt den Entwurf den frühesten bekannten Vorschlag für ein bemanntes Fluggerät mit Feststoffantrieb.1 Gizmodo schreibt dagegen, Kibaltschitsch sei nicht der Erste gewesen, der ein Fahrzeug mit Raketenantrieb vorschlug, und nennt die Engländer Butler und Edwards 1869 sowie den Spanier Frederico Gomez Arias 1872.3 Ein Symposiumsbeitrag zur Geschichte der Raketentechnik, verzeichnet im NASA Technical Reports Server, nennt Gomez Arias den Mann, der als erster Konstrukteur eines bemannten Luftfahrzeugs mit Raketenantrieb gilt.4
Siehe auch
- Konstantin Ziolkowski veröffentlicht seine Theorie des Raketenflugs im Weltraum 1903 Ziolkowski soll Kibaltschitsch als seinen bedeutendsten Vorgänger betrachtet haben.
Hierher verwiesen
- Hermann Oberth veröffentlicht 1923 „Die Rakete zu den Planetenräumen“ 1923 Ein früherer Entwurf eines raketengetriebenen Fluggeräts, ebenfalls nur auf dem Papier.
- Kaifeng 1232: Feuerpfeile der Jin gelten als erste Kriegsraketen 1232 Auch dieser Entwurf baut noch auf eine Rakete mit Pulver als Treibstoff.