Orlando furioso: Astolfo holt Orlandos Verstand vom Mond
In Ariostos Epos Orlando furioso, zuerst 1516 gedruckt, fährt Astolfo im Wagen des Elias zum Mond. Dort liegt alles, was auf der Erde verloren geht, auch der Verstand seines Vetters Orlando.
In Ludovico Ariostos Versepos Orlando furioso fliegt Herzog Astolfo, ein Vetter Orlandos, in einem Wagen zum Mond.3,1 Das Epos erschien zuerst am 22. April 1516 in Ferrara mit 40 Gesängen, überarbeitet 1521 und 1532, zuletzt mit 46 Gesängen.2 Gewidmet hat Ariost es der Familie d'Este, vor allem Kardinal Ippolito, seinem damaligen Gönner.2
Im 34. Gesang fährt Astolfo mit dem Apostel Johannes in dem Wagen, in dem einst der Prophet Elias den Blicken der Menschen entschwunden war.1 Vier Pferde, roter als Flammen, ziehen den Wagen, und Johannes lenkt ihn zum Himmel.1 Auf dem Mond kommen sie in ein Tal, in dem alles liegt, was auf der Erde verloren geht.1 Der Verstand der Menschen lagert dort als feine Flüssigkeit in Gefäßen; auf dem größten steht „Orlandos Verstand“.1 Astolfo findet dort auch einen großen Teil seines eigenen Verstandes.1 Das Gefäß mit Orlandos Verstand bringt er zurück zur Erde.1,3
Die Literaturwissenschaftlerin Ita Mac Carthy liest die Mondreise als kritischen Blick auf den Hof des sechzehnten Jahrhunderts und als Gleichnis für die Rolle der Literatur dort.4 Sie hebt die Nähe der Episode zur menippeischen Satire hervor.4
Siehe auch
- Lukians „Wahre Geschichten“ schicken ein Schiff zum Mond 150 Auch Lukians Mondreise ist eine Satire, mehr als ein Jahrtausend früher.
- Johannes Keplers Mondreise „Somnium“ erscheint 1634 nach seinem Tod 1634 Ein gutes Jahrhundert später ließ Kepler seinen Erzähler im Traum zum Mond reisen.
Hierher verwiesen
- Taketori monogatari: Prinzessin Kaguya kehrt zum Mond zurück 901 Auch bei Ariost ist der Mond ein Ort, an dem Verlorenes von der Erde aufbewahrt wird und von dem man zurückkehrt.