Ein Kernforschungslabor zeigt Besuchern ein Tennisspiel
Am 18. Oktober 1958 stand am Tag der offenen Tür des Brookhaven National Laboratory ein Oszilloskop, auf dem zwei Besucher gegeneinander Tennis spielen konnten. Ein Patent meldete niemand an.
Am 18. Oktober 1958 führte das Brookhaven National Laboratory auf Long Island beim jährlichen Besuchertag ein Spiel namens „Tennis for Two" vor.1,2 Entworfen hatte es William Higinbotham, Leiter der Instrumentenabteilung des Labors und Kernphysiker, der sich als erster Vorsitzender der Federation of American Scientists für die Nichtverbreitung von Kernwaffen einsetzte.1 Das Spiel lief auf einem vom Typ Donner Model 30, der an ein Oszilloskop angeschlossen war; jeder der beiden Spieler hatte einen Drehknopf für den Abschlagwinkel und einen Knopf zum Schlagen.2,3 Zur Bildschirmgröße gehen die Angaben auseinander: das Labor und eine dritte Darstellung nennen fünf Zoll, das Strong Museum 5½ Zoll.1,2,4
Der Anlass war nüchtern.3 Higinbotham wusste aus früheren Besuchertagen, dass Plakate über Grundlagenforschung das Publikum wenig fesselten, und wollte etwas zum Anfassen zeigen.3 Den Entwurf legte er in etwa zwei Stunden an, der Techniker Robert V. Dvorak baute das Gerät in rund drei Wochen.1,3 Die Physik war für einen Analogrechner unproblematisch: Der Ball prallte am Netz in erwartbarem Winkel ab, und verließ er das Bild, setzte ein Knopf ihn zurück.3 Hunderte Besucher stellten sich an, und das Spiel blieb zwei Jahre lang Teil der Ausstellung.1,3
Ein Patent gab es nicht.1,3 Higinbotham hielt die Sache für zu wenig neu, und er merkte später an, dass ohnehin die US-Regierung Eigentümerin geworden wäre, hätte er eines angemeldet.1,3,5 Bekannt wurde das Spiel erst spät; in den Patentstreitigkeiten der 1970er und 1980er Jahre suchten Anwälte nach früheren Vorläufern, und Higinbotham sagte zu ihm aus.2,3
Siehe auch
- Am MIT entsteht Spacewar! auf einem PDP-1 1962 Vier Jahre später dasselbe Muster an einem Digitalrechner — und mit Nachwirkung.
- Die Magnavox Odyssey bringt das Spiel ins Wohnzimmer 1972 Was hier niemand patentierte, wurde später zur Grundlage eines Patentstreits.
Hierher verwiesen
- Die Magnavox Odyssey bringt das Spiel ins Wohnzimmer 1972 Vierzehn Jahre früher dieselbe Spielidee, aber ohne Patentanmeldung.
- Am MIT entsteht Spacewar! auf einem PDP-1 1962 Der frühere Versuch, der ohne Nachfolge blieb.
- Ein Doktorand lässt den EDSAC Drei gewinnt spielen 1952 Sechs Jahre später das nächste Spiel auf einem Schirm — mit Bewegung und für Besucher statt für eine Doktorarbeit.
- Cathode-ray tube amusement device wird 1947 zum Patent angemeldet 1947 Elf Jahre später dieselbe Idee, diesmal vorgeführt statt nur angemeldet.
- Auf der Weltausstellung spielt eine Relaismaschine Nim gegen das Publikum 1940 Wieder ein Forschungsbetrieb, der seinem Publikum ein Spiel zum Anfassen hinstellt.