Die Ever Given versperrt den Suezkanal
Am 23. März 2021 lief das Containerschiff Ever Given im Suezkanal quer und versperrte die Fahrrinne sechs Tage lang. Als es freikam, warteten mehrere hundert Schiffe auf die Durchfahrt; Ägypten hielt das Schiff danach über drei Monate fest.
Am 23. März 2021 lief die Ever Given im südlichen Abschnitt des Suezkanals auf Grund und stellte sich quer zur Fahrrinne.1,2 Das Schiff ist 400 Meter lang, knapp 60 Meter breit und brachte mit Ladung 224.000 Tonnen auf.1 Die Bergung übernahm die niederländische SMIT Salvage, eine Tochter von Boskalis, gemeinsam mit der Suez Canal Authority: Rund 30.000 Kubikmeter Sand wurden weggebaggert, elf Hafenschlepper und zwei Hochseeschlepper zogen.1 Am 29. März um 15:05 Uhr Ortszeit kam das Schiff frei.1 Am Morgen desselben Tages warteten 367 Schiffe auf die Durchfahrt, darunter Containerschiffe, Flüssiggastanker und Viehtransporter.2
Die Ursache blieb zunächst offen.3 Osama Rabie, Vorsitzender der Suez Canal Authority, nannte die Wetterlage mit starkem Wind und menschliches Versagen als mögliche Faktoren; die förmliche Untersuchung begann am 31. März und prüfte die Seetüchtigkeit des Schiffes und das Handeln des Kapitäns.3 Als Umstand der Strandung wurde in den ersten Berichten starker Wind genannt.2 Der Abschlussbericht der panamaischen Seeschifffahrtsbehörde vom Juli 2023 hielt fest, dass Verkehrslenkung, Lotsen und Kapitän den starken Wind und die schlechte Sicht nicht angemessen bewertet hatten; das Schiff hätte sich von Schleppern begleiten lassen oder die Durchfahrt verschieben sollen.7
Die Störung reichte über die sechs Tage hinaus.4 Port Said war eine Woche lang unterbrochen, danach folgten mehrtägige Stauungen; in Rotterdam und Antwerpen hielten die Engpässe rund drei Monate an.4 Die Allianz schätzte die Kosten für den Welthandel auf sechs bis zehn Milliarden Dollar je Woche.4 Ägypten hielt das Schiff im Großen Bittersee zurück und forderte zunächst 916 Millionen Dollar Schadenersatz, später 550 Millionen; erst nach einer Einigung mit dem japanischen Eigner Shoei Kisen Kaisha durfte die Ever Given am 7. Juli 2021 auslaufen, ohne dass die Summe offengelegt wurde.5 Am 11. Mai 2021 genehmigte Präsident Abdel Fattah al-Sisi den Ausbau des südlichen Kanalabschnitts: Verbreiterung um etwa 40 Meter nach Osten, Vertiefung von 66 auf 72 Fuß und eine um fünf Seemeilen verlängerte zweite Fahrrinne, womit der doppelspurige Abschnitt 44 Seemeilen erreichen sollte; als Frist waren 24 Monate gesetzt.6
Die Angaben zum Schiff und zum Stau gehen auseinander.1,2,3,4,7,8 Die Nennkapazität des Schiffes liegt bei 20.124 ;7,8 Boskalis rundet auf 20.000, eine Fallstudie der UN-Handels- und Entwicklungsorganisation nennt über 21.000.1,4 Bei den wartenden Schiffen steht die Zahl 367 für den Morgen der Freischleppung gegen mehr als 400, wenn beide Kanalenden und die Route mitgezählt werden.2,3 Auch die Dauer wird verschieden angegeben: sechs Tage zwischen Strandung und Freischleppung, sieben in der Fallstudie.1,4
Siehe auch
- Die erste Containerfahrt der Ideal-X 1956 Die genormte Kiste machte die Schiffe möglich, deren Maße hier zum Problem wurden.
- Der Bridgewater-Kanal nimmt den Betrieb auf 1761 Ein künstlicher Wasserweg verkürzt den Weg — und schafft eine Stelle, an der er ganz ausfallen kann.
- Handel China tritt der Welthandelsorganisation bei 2001 Der Ost-West-Warenstrom, den die Sperrung anhielt, wuchs maßgeblich nach dieser Öffnung.