Die Mailänder Vereinbarung stellt 313 die Religion frei
Anfang 313 einigten sich die Kaiser Konstantin und Licinius in Mailand darauf, allen Menschen die freie Wahl ihres Kultes zu lassen. Den Christen sollte beschlagnahmter Besitz zurückgegeben werden. Ob daraus ein „Edikt“ wurde, ist in der Forschung umstritten.
Anfang 313 trafen sich die Kaiser Konstantin und Licinius in Mailand und verhandelten dort auch darüber, wie mit den Christen zu verfahren sei.2,1 Das Ergebnis ließ allen Menschen die Wahl ihres Kultes und ordnete an, den Christen beschlagnahmte Versammlungsorte und Güter zurückzugeben.1,5 Überliefert ist der Text in der Fassung, die Licinius wenige Tage nach einer gewonnenen Schlacht in Nikomedia anschlagen ließ.4 Laktanz gibt ihn lateinisch wieder, Eusebius in einer griechischen Übersetzung.3
Als Tag des Anschlags nennt Laktanz die des Juni, also den 13. Juni 313.3 Inhaltlich baut der Text auf einem Edikt auf, mit dem Galerius den Christen schon 311 die Ausübung ihres Kultes wieder gestattet hatte.3,2
Ob in Mailand ein Edikt entstand, ist umstritten.3 Der Althistoriker Klaus M. Girardet hält fest, ein konstantinisches Toleranzedikt von Mailand habe es nie gegeben.2 Die Bezeichnung „Mailänder Edikt“ kommt in antiken Quellen nicht vor; nach Girardet geht sie auf den vatikanischen Bibliothekar Cesare Baronio im 16. Jahrhundert zurück.2 Überliefert sei ein Brief des Licinius an die Statthalter des Ostens, der ausschließlich für den Osten des Reiches galt.2 Auch der Althistoriker Charles M. Odahl spricht von kaiserlichen Schreiben an die Statthalter der östlichen Provinzen, mit denen Licinius im Juni 313 die Mailänder Einigung bekannt machte.6 Die Britannica spricht dagegen von einem Dekret, dessen erhaltene Abschriften Licinius im Osten aushängen ließ.1
Siehe auch
- Konflikte Augsburger Religionsfriede: Landesherr bestimmt das Bekenntnis 1555 Zwölf Jahrhunderte später entschied nicht mehr der Einzelne über sein Bekenntnis, sondern der Landesherr.
- Luther schickt 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablass an den Erzbischof 1517 Die Kirche, die 313 frei wurde, spaltete sich 1517 an der Frage des Ablasses.
Hierher verwiesen
- Ein päpstlicher Legat bannt 1054 in der Hagia Sophia den Patriarchen von Konstantinopel 1054 Die Kirche, die sich 1054 in Ost und West teilte, war 313 unter zwei Kaisern aus Ost und West frei geworden.
- Sport Die antiken Olympischen Spiele enden – 393 oder erst Jahrzehnte später 393 Achtzig Jahre zuvor ließen Konstantin und Licinius jeden Kult zu; Theodosius verbot die heidnischen.
- Edikt von Thessaloniki schreibt 380 den nizänischen Glauben vor 380 67 Jahre zuvor ließen die Kaiser jedem die Wahl des Kultes; hier schreiben sie den Glauben vor.
- Diokletian lässt 303 die Kirche von Nikomedia abreißen und die Christen entrechten 303 Zehn Jahre später gaben Konstantin und Licinius den Christen zurück, was ihnen 303 genommen worden war.
- Kaiser Decius verlangt um 250 von allen Bewohnern des Reichs ein Opfer für die Götter 250 Zehn Jahre nach Diokletian wird das Bekenntnis freigestellt, das Decius noch prüfen ließ.
- Ashoka-Edikt XII verlangt Achtung vor allen Glaubensrichtungen 260 v. Chr. Rund fünfeinhalb Jahrhunderte später ließen auch römische Kaiser jedem die Wahl des Kultes.