Ashoka-Edikt XII verlangt Achtung vor allen Glaubensrichtungen
Im 3. Jahrhundert v. Chr. ließ der indische König Ashoka in Fels schreiben, er ehre alle Glaubensgemeinschaften. Niemand solle ohne Grund die eigene loben oder die fremde herabsetzen.
Die Edikte des Königs Ashoka finden sich an mehr als dreißig Orten in Indien, Nepal, Pakistan und Afghanistan.2 Im zwölften seiner großen Felsenedikte erklärt der König, er ehre die Asketen wie die Haushälter aller Glaubensgemeinschaften mit Gaben und Ehrungen.1,2 Wichtiger als Gaben sei ihm aber, dass das Wesentliche aller Religionen wachse.2 Die Wurzel dafür liege in der Zurückhaltung beim Reden: Niemand solle ohne Grund die eigene Glaubensrichtung loben oder die fremde herabsetzen.1,2 Wer so handle, stärke die eigene Gemeinschaft und erweise zugleich den anderen einen Dienst.1
Ashoka regierte etwa von 269 bis 232 v. Chr.5 und starb im achtunddreißigsten Jahr seiner Herrschaft.2 Die Inschriften zählen die Jahre seit seiner Weihe, die offenbar vier Jahre nach der Machtübernahme lag, und reichen vom achten bis zum siebenundzwanzigsten Jahr.3 Nach den inneren Zeitangaben entstanden zuerst die kleinen Felsedikte, dann die großen und danach die großen Säulenedikte.3 Acht Jahre nach seiner Weihe führte Ashoka Krieg gegen das Königreich Kalinga im Osten Indiens.3 Das Jahr des Krieges geben die Quellen mit 262 v. Chr.,2 etwa 2615 und etwa 260 v. Chr. an.4 Danach sagte sich Ashoka von der Gewalt los und wandte sich dem Buddhismus zu.4 Was er unter Dhamma verstand, ist in der Forschung umstritten: eine buddhistische Laienethik, eine Art allgemeiner Religion oder eine eigene Schöpfung des Königs.3
Die meisten Edikte sind in Brahmi-Schrift geschrieben;4 in Mansehra und Shahbazgarhi im heutigen Pakistan stehen die großen Felsenedikte auf Prakrit in Kharoshthi-Schrift.3 In Kandahar in Afghanistan fand sich eine griechische Fassung, die Teile der Edikte XII und XIII enthält.5 Keine fünfzig Jahre nach Ashokas Tod zerfiel sein Reich, die Edikte gerieten in Vergessenheit, und die Brahmi-Schrift konnte niemand mehr lesen.4 An ihrer Entzifferung arbeiteten mehrere Gelehrte; den entscheidenden Schritt tat James Prinsep 1837.3,2
Siehe auch
- Die Mailänder Vereinbarung stellt 313 die Religion frei 313 Rund fünfeinhalb Jahrhunderte später ließen auch römische Kaiser jedem die Wahl des Kultes.
- Edikt von Thessaloniki schreibt 380 den nizänischen Glauben vor 380 Das Gegenstück: Ein Herrscher schreibt einen Glauben vor und belegt die übrigen mit dem Makel der Häresie.
Hierher verwiesen
- Chanukka: Die Makkabäer weihen 164 v. Chr. den Tempel neu 164 v. Chr. Ein Jahrhundert früher verlangte ein anderer Herrscher Achtung vor allen Glaubensrichtungen.
- Kyros-Zylinder: Der Perserkönig lässt Götterbilder heimkehren 539 v. Chr. Rund drei Jahrhunderte später ließ Ashoka die Achtung vor anderen Glaubensgemeinschaften in Fels meißeln.
- Joschija zentralisiert um 622 v. Chr. den Kult in Jerusalem 622 v. Chr. Ashoka verlangt Achtung vor allen Glaubensrichtungen; Joschija lässt nur noch einen Kultort zu.