Kyros-Zylinder: Der Perserkönig lässt Götterbilder heimkehren
Nach der Eroberung Babylons 539 v. Chr. rühmt sich Kyros II. auf einem Tonzylinder, Götterbilder und Verschleppte heimkehren zu lassen. Als erste Menschenrechtscharta gilt er zu Unrecht.
Im Oktober 539 v. Chr. eroberte der Perserkönig Kyros II. Babylon.1,3 Auf einem Tonzylinder in akkadischer Keilschrift schreibt er, der babylonische Gott Marduk habe ihm zum Sieg verholfen.3,6 Der Yale Herald datiert den Zylinder auf 539 v. Chr., kurz nach der Eroberung.4 Das Center for Online Judaic Studies setzt ihn um 535 v. Chr. an.3 Das Getty Museum datiert ihn auf die Zeit nach 539 v. Chr.5 Nach dem Text nahm Marduk einen gerechten König, seinen Liebling, an die Hand.2
Seinem Vorgänger Nabonid wirft Kyros vor, den Kult Marduks abgeschafft zu haben.2 Er schreibt, er habe die Götterbilder an ihre Orte zurückgebracht und die Bewohner in ihre Wohnstätten heimkehren lassen.2,3 Gemeint sind Heiligtümer jenseits des Tigris und die Götter von Sumer und Akkad, die Nabonid nach Babylon gebracht hatte.2 Die Wiederherstellung von Tempeln, die Sorge für die Götter und die Rückkehr von Verbannten und Götterbildern gehörten schon zur Herrscherpropaganda babylonischer und assyrischer Könige.1
Hormuzd Rassam fand den Zylinder 1879 bei Ausgrabungen in Babylon für das British Museum, wo er heute liegt.3,4,6 Die Bücher Esra und Jesaja deuten Kyros’ Wiederherstellung als Heimkehr der Juden aus Babylon.4 Im Zylinder selbst steht davon nichts, er handelt von Ländern östlich des Tigris.1 Schah Mohammad Reza Pahlavi machte ihn 1971 zum Symbol der 2500-Jahr-Feier der persischen Monarchie.1 Der Yale Herald nennt die Bezeichnung als erste Menschenrechtscharta optimistisch, aber unzutreffend.4 Van Bladel sieht in dieser Deutung einen Teil eines Propagandaprogramms, das von der Unterdrückung Andersdenkender durch den Schah ablenken sollte.4
Siehe auch
- Ashoka-Edikt XII verlangt Achtung vor allen Glaubensrichtungen 260 v. Chr. Rund drei Jahrhunderte später ließ Ashoka die Achtung vor anderen Glaubensgemeinschaften in Fels meißeln.
Hierher verwiesen
- Chanukka: Die Makkabäer weihen 164 v. Chr. den Tempel neu 164 v. Chr. Ein Großkönig, der Kulte zurückkehren ließ, statt sie zu verbieten.
- Joschija zentralisiert um 622 v. Chr. den Kult in Jerusalem 622 v. Chr. Ein Perserkönig lässt Götterbilder in ihre Städte heimkehren; hier zerstört ein König die Kultstätten.
- Mescha-Stele: Moabs König dankt Kemosch für den Sieg über Israel 840 v. Chr. Auch hier spricht ein Herrscher in einer Inschrift über Götter und ihre Kultgeräte.
- Kunst Nebukadnezar I. holt die Marduk-Statue aus Elam zurück 1110 v. Chr. Auch Kyros stellte sich als König dar, der verschleppte Götterbilder heimkehren ließ.
- Restaurationsstele: Tutanchamun stellt die alten Kulte wieder her 1330 v. Chr. Acht Jahrhunderte später rühmt sich auch Kyros, verdrängte Kulte an ihre Orte zurückgebracht zu haben.