Das Erste Vatikanische Konzil erklärt 1870 die Unfehlbarkeit des Papstes zum Dogma
Am 18. Juli 1870 verkündete das Erste Vatikanische Konzil die Konstitution „Pastor aeternus“ über Primat und Unfehlbarkeit des Papstes. Über das Dogma kam es zur Abspaltung der Altkatholiken.
Am 18. Juli 1870 wurde auf dem Ersten Vatikanischen Konzil die Konstitution „Pastor aeternus“ verkündet, die den Primat des Papstes und seine Unfehlbarkeit als Dogmen festlegte.1,2 Unfehlbar ist der Papst danach, wenn er spricht, also in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen eine Lehre über Glauben oder Sitten für die ganze Kirche festlegt.1,2 Verkündet hatte das Dogma Papst Pius IX.3 Das Konzil war Ende Juni 1868 einberufen worden und hatte erstmals am 8. Dezember getagt.4 Es kam zwischen 1869 und 1870 in Rom zusammen.2
Die Angaben zur Abstimmung gehen auseinander.1,4,6 Nach Vatican News nahmen die 535 anwesenden Konzilsväter den Text einstimmig an, weitere 83 beteiligten sich nicht.1 Nach einem Beitrag der Altkatholischen Kirche Österreichs wurde er mit 535 Stimmen bei zwei Gegenstimmen angenommen.4 Nach einem Aufsatz in der Zeitschrift Horizons lautete das Ergebnis 533 zu 2; die Gegenstimmen gaben die Bischöfe Luigi Riccio und Edward Fitzgerald ab.6 Nach der Catholic Encyclopedia erkannten beide das Dogma noch in derselben Sitzung an.7 Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf zufolge stand das Dogma zunächst nicht auf der Tagesordnung des Konzils.3 Die meisten deutschen Würdenträger reisten nach Wolf vorzeitig ab, um dem Dogma nicht zustimmen zu müssen.3 Nach Bischof Peter Elliott waren sich beide Lager aber darin einig, dass die Kirche unter dem Schutz des Heiligen Geistes unfehlbar lehrt.2
Am Tag nach der Abstimmung wurde das Konzil wegen des beginnenden Deutsch-Französischen Krieges unterbrochen.1 Nachdem italienische Truppen am 20. September 1870 Rom eingenommen hatten, womit der Kirchenstaat praktisch endete, wurde es auf unbestimmte Zeit vertagt.1 Aus den Konflikten des Konzils ging die Abspaltung der Altkatholiken hervor.1 Der Theologe Ignaz von Döllinger, ein Gegner der Dogmatisierung, setzte nach der altkatholischen Darstellung erstmals die öffentliche Meinung als Waffe gegen das Vorgehen auf dem Konzil ein.4 Die Bundeszentrale für politische Bildung führt das Dogma in ihrer Darstellung des Kulturkampfs im Deutschen Reich als Teil des Hintergrunds an.5
Siehe auch
- Das Zweite Konzil von Nicäa erlaubt 787 die Verehrung von Bildern 787 Schon 787 entschied ein Konzil eine umstrittene Glaubensfrage verbindlich, damals die Bilderverehrung.
- Robert Francis Prevost wird als Leo XIV. erster Papst aus den USA 2025 Das Amt, dessen Lehrgewalt 1870 festgelegt wurde, in seiner jüngsten Besetzung.
Hierher verwiesen
- Konzil von Trient schließt 1563 seine Antwort auf die Reformation 1563 Das nächste allgemeine Konzil der katholischen Kirche nach Trient.
- Drittes Konzil von Konstantinopel verurteilt 681 Papst Honorius 680 Beim Streit um die Unfehlbarkeit 1870 wurde der Fall Honorius wieder herangezogen.