Gezer-Kalender aus dem 10. Jh. v. Chr. gilt manchen als Schreibübung
Der Gezer-Kalender, eine kleine Kalksteintafel aus dem 10. Jahrhundert v. Chr., zählt die Arbeiten eines landwirtschaftlichen Jahres auf. Ein Teil der Forschung hält ihn für die Schreibübung eines Schülers.
Der Gezer-Kalender ist eine kleine Tafel aus weichem Kalkstein, in die eine Liste landwirtschaftlicher Arbeiten über ein ganzes Jahr geschrieben ist.1,2 Gefunden hat ihn der Archäologe R. A. S. Macalister 1908 bei Ausgrabungen in Gezer.2,3 Datiert wird er ins 10. Jahrhundert v. Chr.,1,2 nach der Schrift.3 Die Vorderseite trägt sieben Zeilen und am linken unteren Rand ein einzelnes Wort, vermutlich einen Namen.1 Erhalten ist dieser Name nur zum Teil, rekonstruiert als Abija.1 Ob er den Schreiber oder den Besitzer nennt, ist offen.3
In ihrem Zweck sind sich die Fachleute nicht einig.3 Manche halten die Tafel für einen Almanach für Bauern, andere für eine Schreib- oder Gedächtnisübung.1 Für die Übung führen sie an, dass die Schrift eher unbeholfen ist.3 Die langsame, ungelenke Hand kann auf einen Schreiber in der Ausbildung hindeuten.1 Auch das Material passt dazu, denn Kalkstein lässt sich leicht abschaben und wiederverwenden.2 Dagegen wurde eingewandt, dass diese Deutung eine früh verbreitete Lesefähigkeit voraussetze; das Center for Online Judaic Studies hält den Einwand für nicht stark genug.2 Andere Deutungen sehen in der Tafel eine Liste zum Einziehen von Abgaben oder ein Volkslied.3
William Schniedewind deutet den Kalender als Schulübung, die eine Liste aus der Keilschrift-Tradition abwandelt.4 Als Vergleich nennt er die gelehrten Tafeln aus Amarna; ein Bruchstück aus Aschkelon zeige, dass diese Liste am Ende der Spätbronzezeit in Kanaan bekannt war.4
Ob die Schrift phönizisch ist oder schon althebräisch, gehört zu den am meisten umstrittenen Fragen.1 Mit einem Ostrakon und zwei Abecedarien aus derselben Zeit zählt der Kalender zu den Inschriften, die als älteste in hebräischer Sprache oder Schrift in Frage kommen.1 Die Tafel liegt heute im Archäologischen Museum Istanbul.1,3
Siehe auch
- Ugarit bildet Schreiber mit einem Wörterbuch in drei Sprachen aus 1250 v. Chr. Abecedarien aus Ugarit und Bet Schemesch zeigen, wie das Alphabet in der Levante schon früher geübt wurde.
- Amarna-Tafeln: Schreiber des Pharaos lernen Keilschrift 1350 v. Chr. Die Tafeln aus Amarna, mit denen Schniedewind die Abwandlung einer Keilschriftliste vergleicht.
- Religion Mescha-Stele: Moabs König dankt Kemosch für den Sieg über Israel 840 v. Chr. Eine Inschrift aus derselben Region und Schrifttradition, rund ein Jahrhundert jünger.