Amarna-Tafeln: Schreiber des Pharaos lernen Keilschrift
In Achet-Aton, der Hauptstadt Echnatons, lernen im 14. Jahrhundert v. Chr. Schreiber Keilschrift und Akkadisch. Unter den Amarna-Tafeln sind rund 30 Übungstexte: Wortlisten, Syllabare und Mythen wie der Adapa-Text.
Im Jahr 1887 kamen bei Tell el-Amarna Tontafeln mit akkadischer Keilschrift zutage.1,2 Der Ort ist das alte Achet-Aton, die Stadt, die Pharao Echnaton bauen ließ.2 Die Tafeln stammen aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.2 Sie reichen von der Zeit Amenhoteps III. über die seines Sohnes Echnaton bis einige Jahre darüber hinaus.1 Bekannt sind gut 380 Tafeln und einige Bruchstücke.1
Nicht alle Tafeln sind Briefe: 32 waren wahrscheinlich Übungsmaterial für Schreiber.2 Alice Mandell zählt 30 „gelehrte“ Tafeln und beschreibt sie als Lehrmaterial, mit dem Schreiber im Dienst des Pharaos ausgebildet wurden.1 Die Edition von Shlomo Izre'el verzeichnet 1997 29 nummerierte Tafeln und Fragmente.5 Darunter sind Mythen und Epen, Syllabare, , eine Götterliste und eine Liste ägyptischer Wörter in Keilschrift mit babylonischen Entsprechungen.2 Ein lexikalisches Bruchstück aus Achet-Aton liegt heute im Ashmolean Museum in Oxford und wird in die mittelbabylonische Zeit datiert.4 Die am besten erhaltene Abschrift des akkadischen Adapa-Mythos ist eine Tafel aus dem Archiv von Amarna.3 Neben Syllabaren und Wortlisten für die Grundlagen der Sprache nutzten die Lehrer auch mesopotamische Literatur wie diesen Text.3
Die Höfe stützten sich auf diese Schreibertradition, um Dolmetscher für Akkadisch auszubilden, die Verkehrssprache der Diplomatie in dieser Zeit.3 Das Gebäude, in dem die Briefe ausländischer Herrscher an den Pharao lagerten, stand gegenüber dem Hauptpalast neben einem ägyptischen Schreiberzentrum, das in der Antike „Haus des Lebens“ hieß.1 Die Funde aus diesem Bereich deuten auf eine große Gemeinschaft von Schreibern, die auf die ägyptische Schrift und auf die Keilschrift spezialisiert waren.1 Keilschriftschreiber im Dienst Ägyptens lernten auch die ägyptische Schreibpraxis.1 Über die 32 Übungstafeln ist nach dem Stand der Forschung wenig bekannt.2
Siehe auch
- In einem Wohnhaus in Nippur lernen im 18. Jahrhundert v. Chr. Schreiber Keilschrift und Sumerisch 1740 v. Chr. Wortlisten und sumerische Literatur als Lehrstoff stammen aus dieser mesopotamischen Schultradition.
- Ugarit bildet Schreiber mit einem Wörterbuch in drei Sprachen aus 1250 v. Chr. Ein Jahrhundert später lernen auch in Ugarit Schreiber Keilschrift mit mehrsprachigen Listen.
- Papyrus Lansing lobt den Schreiberberuf und schmäht andere Berufe 1130 v. Chr. Die ägyptische Seite der Schreiberausbildung, in ägyptischer Schrift statt in Keilschrift.
- Literatur Großer Aton-Hymnus preist unter Echnaton die Sonnenscheibe Aton 1350 v. Chr. Entstand in derselben Stadt und unter demselben Pharao.
Hierher verwiesen
- Gezer-Kalender aus dem 10. Jh. v. Chr. gilt manchen als Schreibübung 950 v. Chr. Die Tafeln aus Amarna, mit denen Schniedewind die Abwandlung einer Keilschriftliste vergleicht.
- Religion Grenzstelen von Achet-Aton: Echnaton steckt die Stadt des Aton ab 1345 v. Chr. In der neuen Hauptstadt lernten die Schreiber des Pharaos Keilschrift.