Glockentöpfe aus Uruk gelten als Rationsschalen für Arbeiter
Glockentöpfe sind grobe Schalen mit abgeschrägtem Rand, die an Fundorten der Uruk-Zeit zu Zehntausenden liegen. Die meisten Archäologen deuten sie als Rationsschalen für Arbeiter im 4. Jahrtausend v. Chr.; andere halten sie für Brotbackformen.
Glockentöpfe sind einfache Schalen mit abgeschrägtem Rand; unter den Gefäßen der Uruk-Kultur sind sie die häufigste Form.4 An Fundorten der Uruk-Zeit im 4. Jahrtausend v. Chr. werden sie in ganz Mesopotamien zu Zehntausenden gefunden.1 Mit der Uruk-Kultur, deren häufigste Gefäßform sie sind, finden sie sich Tigris und Euphrat hinauf bis nach Mittelsyrien und Anatolien und nach Osten über Iran.4 Ein Exemplar aus Nippur ist in die späte Uruk-Zeit datiert, um 3300 bis 3100 v. Chr.5
Die meisten Archäologen deuten die Schalen als Rationsschalen, mit denen Arbeitern auf staatlichen Baustellen, etwa an Kanälen oder Tempeln, die tägliche Verpflegung zugeteilt wurde.1 Nach dieser Deutung bekam ein Arbeiter am Ende jedes Tages eine Schale voll Gerste, und das leere Gefäß wurde weggeworfen.1 Bei Grabungen in Tepe Sharafabad und Tepe Farukhabad im Südwesten Irans barg Henry Wright viele Tausend ganze und zerbrochene Schalen.1 Die frühesten Schrifttafeln messen Getreide in einem eigenen Zahlensystem, und vieles spricht dafür, dass diesem Maß der Glockentopf mit seinem einheitlichen Inhalt von etwa 0,8 Litern zugrunde liegt.3
Gesichert ist die Deutung nicht.2,6 Jill Goulder hält dagegen, die Schale sei ursprünglich für das Backen von gesäuertem Brot in großen Mengen entwickelt worden, vielleicht für gemeinsame Festmahle.2 In den Randgebieten der Uruk-Kultur zeichnen sich nach ihr im 4. Jahrtausend v. Chr. weitere Verwendungen ab.2 Arianna Stimpfl hält die genaue Funktion für ungeklärt und sieht in den Schalen eine Form struktureller Gewalt, weil die Menschen die Gefäße für ihre eigenen Rationen selbst herstellen mussten.6
Siehe auch
- Tagebuch des Merer protokolliert Steinfahrten zur Cheops-Pyramide 2570 v. Chr. Fast tausend Jahre später halten Abrechnungen am Bau in Ägypten fest, was die Arbeiter bekamen.
- Persepolis-Täfelchen verbuchen ab 509 v. Chr. Arbeiterrationen 509 v. Chr. Im Perserreich sind Rationen für Arbeiter dann Posten für Posten auf Tafeln verbucht.
- Im 12. Jahrhundert v. Chr. streiken die Grabarbeiter von Deir el-Medina um ausbleibende Rationen 1157 v. Chr. Wo der Lohn aus Getreide bestand, legten Arbeiter die Arbeit nieder, als die Rationen ausblieben.
- Bildung In Uruk entstehen am Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. die ersten Wortlisten der Keilschrift 3200 v. Chr. Aus derselben Stadt und Zeit stammen die ersten Schrifttafeln, deren Getreidemaß mit den Schalen zusammenhängen dürfte.
Hierher verwiesen
- Heit el-Ghurab beherbergt die Arbeiter der Pyramiden von Gizeh 2532 v. Chr. Ein früheres Zeugnis dafür, wie eine Obrigkeit ihre Arbeiter mit Essen versorgte.
- Berufsliste aus Uruk ordnet um 3200 v. Chr. Ämter nach ihrem Rang 3200 v. Chr. Aus derselben Stadt stammen die Schalen, mit denen Arbeitern vermutlich Rationen zugeteilt wurden.
- Rechentechnik Uruk: Proto-Keilschrift zählt je nach Gut in eigenen Zahlsystemen 3200 v. Chr. Die Glockentöpfe gelten als Gefäße für Rationen, wie sie die Zahltafeln verbuchen.