Dondis Astrarium zeigt Stunden und den Lauf von sieben Planeten
Giovanni Dondi baute im 14. Jahrhundert das Astrarium, eine Uhr, die neben der Zeit die sieben Planeten des Mittelalters anzeigte. Das Original ging verloren; nach seinem Traktat entstanden seit den 1960er-Jahren Nachbauten.
Giovanni Dondi baute eine astronomische Uhr, die er nannte.1 Entstanden ist sie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.4 Sie zeigte neben Uhrzeit und Datum die Stellung der sieben Himmelskörper, die damals als Planeten galten: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.1 Ein einziges Gewicht trieb die Räderwerke an, die alle sieben bewegten.3 Das Mailänder Museum beschreibt neun Zifferblätter, sieben oben für die Himmelskörper und unten eines für die Uhrzeit und eines zur Vorhersage von Mondfinsternissen.4 In der Mitte drehte sich ein Kalenderrad einmal im Jahr und zeigte Wochentag, Heiligennamen, Sonntagsbuchstaben und Tageslänge.4
Wann genau Dondi baute, ist umstritten: Zuerst wurde die Arbeit auf 1348 bis 1364 datiert, später mit neuen Argumenten um rund 20 Jahre auf 1365 bis 1380 verschoben.4 Die Linda Hall Library nennt die frühe Datierung, Beginn 1348 und Fertigstellung 1364,1 die Universität Padua lässt die Arbeit um 1365 in Pavia beginnen und um 1381 enden.2
Das Astrarium kam in die Bibliothek der Visconti-Burg in Pavia; zuletzt erwähnt wird es 1529, als Karl V. nach Italien kam, und schon damals in schlechtem Zustand.4 Vermutlich wurde es im 16. Jahrhundert zerstört.2,4 Erhalten blieb Dondis Traktat, das alle Teile beschreibt, viele davon abbildet und den Zusammenbau erklärt.1 Nach dieser Handschrift, dem Tractatus Astrarii, ließ sich das Gerät rekonstruieren.4,3
Nachbauten entstanden erst seit den 1960er-Jahren, inzwischen mindestens acht.1 Der Mailänder Uhrmacher Luigi Pippa baute 1961 bis 1963 einen für das Nationalmuseum für Wissenschaft und Technik in Mailand.4 Ein weiterer, von A. Segonds, E. Poulle und J. P. Verdet, steht im Observatorium von Paris.3 Einen dritten erhielt die Universität Padua 2003 als Schenkung; er steht im Palazzo Bo.2
Siehe auch
- Su Song baut in Kaifeng einen Uhrturm, den Wasserkraft antreibt 1092 Auch Su Songs Uhr zeigte Stunden und Himmel zugleich und ist nur durch die Beschreibung ihres Erbauers überliefert.
- Rechentechnik Der Antikythera-Mechanismus berechnet in der Antike Himmelszyklen mit Zahnrädern 100 v. Chr. Rund anderthalb Jahrtausende früher bildete ein Räderwerk schon einmal Himmelszyklen ab.
Hierher verwiesen
- Wasseruhr von Karnak zeigt im 14. Jh. v. Chr. die Nachtstunden 1370 v. Chr. Eine Uhr, die wie das Gefäß aus Karnak Stunden und Planeten zusammenbringt.