Eine Stele aus Tralleis bewahrt das Lied des Seikilos samt Melodie
Eine Marmorstele aus Tralleis, dem heutigen Aydın, trägt ein kurzes griechisches Lied samt Zeichen für die Tonhöhen. Datiert wird sie ins 2. Jahrhundert oder ins 1. oder 2. Jahrhundert; sie gilt als ältestes vollständig erhaltenes Musikstück.
Die des Seikilos stammt aus Tralleis, dem heutigen Aydın in der Türkei, und trägt ein Lied mit griechischem Text.2,4,3 Das Dänische Nationalmuseum, das die Stele besitzt, gibt dagegen Smyrna als Herkunft an.6 Der Altphilologe Armand D’Angour datiert die Inschrift nach der Form ihrer Buchstaben in das 2. Jahrhundert n. Chr.1 Auch Robert Rohland nennt das 2. Jahrhundert,2 die World History Encyclopedia „um das 2. Jahrhundert“.3 Guinness World Records und Classic FM nennen dagegen das 1. oder 2. Jahrhundert.4,5 Ans Licht kam die Stele 1883.1,4
Über den 17 Wörtern des Liedes stehen kleine Buchstabenzeichen, die die Tonhöhen der Melodie angeben.1 Ältere Musik mit Notation ist erhalten, etwa der „Hymnus an Nikkal“ und die Delphischen Hymnen, aber nur in Bruchstücken.4 Das Lied des Seikilos gilt deshalb als ältestes vollständig erhaltenes Musikstück.3,4,5 Sein Text verlangt, nicht traurig zu sein, solange man lebt.2 Für Rohland lässt sich das Lied als Modell für das Motiv des „carpe diem“ lesen.2
Mit wem Seikilos die Inschrift verbindet, ist offen, denn vom zweiten Namen ist nur der Anfang „EUTER…“ sicher.1 Guinness World Records nennt Euterpe seine Frau,4 Egert Pöhlmann und Martin West lasen den Namen als den seines Vaters Euterpes,1 und D’Angour denkt an die Muse der Lyrik.1 Nach D’Angour ließ die Frau des Bahningenieurs Edward Purser den Sockel gerade sägen, um auf der Stele einen Blumentopf abzustellen; dabei ging wohl ein Teil des Textes verloren.1 Später galt die Stele als verschollen und kam schließlich in das Dänische Nationalmuseum in Kopenhagen.4 Dort trägt sie die Inventarnummer 14897.3,6
Siehe auch
- Guido von Arezzo schreibt die Töne um 1025 auf Linien im Terzabstand 1025 Guido setzte Buchstaben als Schlüssel an Notenlinien, statt die Töne als Zeichen über den Text zu schreiben.
- Edisons Phonograph gibt im Dezember 1877 eine Stimme wieder 1877 Bis zum Phonographen ließ sich eine Melodie nur in Zeichen überliefern, wie auf dieser Stele.
Hierher verwiesen
- Guido von Arezzo schreibt die Töne um 1025 auf Linien im Terzabstand 1025 Fast neunhundert Jahre älter ist die Melodie auf der Seikilos-Stele, notiert mit Zeichen über dem Text statt auf Linien.
- Die Musica enchiriadis beschreibt im 9. Jahrhundert das mehrstimmige Singen 850 Zwei Tonschriften mit eigenen Zeichen für die Tonhöhe, gut sieben Jahrhunderte auseinander.
- Delphische Hymnen stehen 128 v. Chr. mit Noten im Stein 128 v. Chr. Auch das Lied des Seikilos ist mit antiker Notenschrift in Stein gemeißelt.
- Eine Tontafel aus Ugarit hält um 1400 v. Chr. eine Hymne an Nikkal samt Notation fest 1400 v. Chr. Das Lied des Seikilos gilt als ältestes vollständig erhaltenes Lied; die Hymne an Nikkal ist älter, aber beschädigt.