Filter

Die Musica enchiriadis beschreibt im 9. Jahrhundert das mehrstimmige Singen

Belegt durch 3 unabhängige Quellen

ZeitalterMittelalter

Zuletzt geändert am

Im 9. Jahrhundert entstand die Musica enchiriadis, ein anonymes Lehrbuch mit eigener Tonschrift und Regeln für mehrstimmiges Singen. Wann genau und von wem, ist offen.

Nach Sarah Fuller stellten um die Mitte des 9. Jahrhunderts, vielleicht im Norden Lothringens, Gesanglehrer, deren Namen unbekannt sind, zwei Lehrbücher für den Musikunterricht zusammen.1 Sie sind als Musica enchiriadis und Scolica enchiriadis überliefert.1 Nach der Schweizer Musikzeitung entstand das Handbuch im späten 9. Jahrhundert und ist in rund fünfzig Handschriften erhalten.2 Beide Schriften gehören zu den frühesten Zeugnissen für Mehrstimmigkeit.3

Die Musica enchiriadis erklärt das Tonsystem samt einer eigenen Notenschrift, zuerst einstimmig, dann mehrstimmig bis zum .2 Diese erlaubt es, die Tonhöhe genau festzuhalten.3 Jede Tonstufe hat darin einen festen Platz in einem Muster-Tetrachord und ein eigenes Zeichen.1 Wird der Tetrachord in mehreren Lagen wiederholt, entsteht eine Skala von zwei Oktaven und einem Tritonus, genug für den Stimmumfang eines erwachsenen Mannes.1 Quarte, Quinte und Oktave nutzt das Handbuch für das mehrstimmige Singen des Chorals.1

Martin Gerbert druckte die Schriften 1784 und schrieb sie dabei, wie Fuller festhält, zu Unrecht Hucbald zu.1 Die Schweizer Musikzeitung nennt als möglichen Verfasser einen Abt Hoger von Werden, der 906 starb;2 in einer Handschrift in Cambridge wird die Musica enchiriadis dagegen Hoger von Laon zugeschrieben, der 930 starb.3 Die Beschreibung der Handschrift hält beide Schriften dennoch für im Kern anonym.3 Eine kritische Edition legte Hans Schmid 1981 vor.1

Guido von Arezzo, Berno und Hermann von der Reichenau kannten die Schriften, lehnten aber die Dasia-Tetrachorde und ihre Notation ab.1 Viele ihrer Begriffe und Fragen gehen nach Fuller dennoch unmittelbar auf diese Traktate zurück.1

Siehe auch