--- id: musica-enchiriadis-850 title: Die Musica enchiriadis beschreibt im 9. Jahrhundert das mehrstimmige Singen date: '0850-01-01' datePrecision: century dateSources: - s1 - s2 summary: >- Im 9. Jahrhundert entstand die Musica enchiriadis, ein anonymes Lehrbuch mit eigener Tonschrift und Regeln für mehrstimmiges Singen. Wann genau und von wem, ist offen. themeId: theme-notenschrift seeAlso: - id: guido-von-arezzo-micrologus-1025 note: >- Guido kannte die Musica enchiriadis, verwarf aber ihre Dasia-Zeichen zugunsten der Linien. - id: seikilos-epitaph-150 note: >- Zwei Tonschriften mit eigenen Zeichen für die Tonhöhe, gut sieben Jahrhunderte auseinander. verification: verified sources: - key: s1 title: Review of Raymond Erickson, Musica and Scolica enchiriadis (Sarah Fuller) publisher: Music Theory Online (Society for Music Theory) url: https://mtosmt.org/issues/mto.97.3.1/mto.97.3.1.fuller.html accessedAt: '2026-10-08' - key: s2 title: >- Von den Anfängen europäischer Mehrstimmigkeit (Thomas Meyer, Rezension zu Petra Weber, Musica enchiriadis) publisher: Schweizer Musikzeitung url: https://www.musikzeitung.ch/rezensionen/buecher-rezensionen/2017/03/von-den-anfaengen-europaeischer-mehrstimmigkeit accessedAt: '2026-10-08' - key: s3 title: >- Cambridge, Corpus Christi College, MS 260: Musica Hogeri. Musica enchiriadis. Scholica enchiriadis. Commemoratio brevis publisher: Stanford Digital Repository (Parker Library on the Web) url: https://purl.stanford.edu/fc475fd2528 accessedAt: '2026-10-08' disputed: - claim: Entstehungszeit der Musica enchiriadis positions: - value: um die Mitte des 9. Jahrhunderts source: s1 - value: spätes 9. Jahrhundert source: s2 resolution: >- Beide Angaben liegen im 9. Jahrhundert; das Datum ist deshalb nur auf das Jahrhundert genau angegeben. - claim: Möglicher Verfasser namens Hoger positions: - value: Abt Hoger von Werden (gest. 906) source: s2 - value: Hoger von Laon (gest. 930), Zuschreibung in CCCC MS 260 source: s3 resolution: >- Keine der Quellen hält Hoger für gesichert: s2 schreibt „vielleicht“, s3 nennt Hoger von Laon nur als Zuschreibung einer Handschrift und hält das Werk wie s1 für anonym. provenance: origin: recherche model: beschaffer:sonnet createdBy: '/research (Musterlauf: musik)' reviewedBy: research reviewedAt: '2026-10-08' --- Nach Sarah Fuller stellten um die Mitte des 9. Jahrhunderts, vielleicht im Norden Lothringens, Gesanglehrer, deren Namen unbekannt sind, zwei Lehrbücher für den Musikunterricht zusammen.[^s1] Sie sind als Musica enchiriadis und Scolica enchiriadis überliefert.[^s1] Nach der Schweizer Musikzeitung entstand das Handbuch im späten 9. Jahrhundert und ist in rund fünfzig Handschriften erhalten.[^s2] Beide Schriften gehören zu den frühesten Zeugnissen für Mehrstimmigkeit.[^s3] Die Musica enchiriadis erklärt das Tonsystem samt einer eigenen Notenschrift, zuerst einstimmig, dann mehrstimmig bis zum Organum.[^s2] Diese Dasia-Notation erlaubt es, die Tonhöhe genau festzuhalten.[^s3] Jede Tonstufe hat darin einen festen Platz in einem Muster-Tetrachord und ein eigenes Zeichen.[^s1] Wird der Tetrachord in mehreren Lagen wiederholt, entsteht eine Skala von zwei Oktaven und einem Tritonus, genug für den Stimmumfang eines erwachsenen Mannes.[^s1] Quarte, Quinte und Oktave nutzt das Handbuch für das mehrstimmige Singen des Chorals.[^s1] Martin Gerbert druckte die Schriften 1784 und schrieb sie dabei, wie Fuller festhält, zu Unrecht Hucbald zu.[^s1] Die Schweizer Musikzeitung nennt als möglichen Verfasser einen Abt Hoger von Werden, der 906 starb;[^s2] in einer Handschrift in Cambridge wird die Musica enchiriadis dagegen Hoger von Laon zugeschrieben, der 930 starb.[^s3] Die Beschreibung der Handschrift hält beide Schriften dennoch für im Kern anonym.[^s3] Eine kritische Edition legte Hans Schmid 1981 vor.[^s1] Guido von Arezzo, Berno und Hermann von der Reichenau kannten die Schriften, lehnten aber die Dasia-Tetrachorde und ihre Notation ab.[^s1] Viele ihrer Begriffe und Fragen gehen nach Fuller dennoch unmittelbar auf diese Traktate zurück.[^s1] Ende der Datei: 3 Quellen.