Gasangriff bei Ypern: Deutsche Armee setzt 1915 Chlorgas ein
Am 22. April 1915 setzte die deutsche Armee bei Ypern erstmals in großem Umfang tödliches Giftgas ein. Die Chlorwolke traf französische und kanadische Linien; die Opferzahlen gehen je nach Quelle auseinander.
Am 22. April 1915 setzte die deutsche Armee in der Zweiten Flandernschlacht bei Ypern erstmals in großem Umfang tödliches Giftgas ein.1,2 Freigesetzt wurden 167 Tonnen Chlorgas.2 Nach einer anderen Angabe waren es knapp 170 Tonnen in 5.730 Flaschen, eingegraben auf einem vier Meilen langen Abschnitt der Front.3 Der Wind trug das Gas als grüngelbe Wolke über die französischen und kanadischen Linien.1 Es war früher Abend, und die französischen Truppen waren auf den Angriff nicht vorbereitet.3
Vorbereitet und geleitet wurde der Angriff von Fritz Haber, dem Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem.2 Haber war selbst vor Ort, um den Einsatz zu beobachten.4 Die Haager Konvention von 1899 verbot giftige Gase in Artilleriegeschossen.4 Nach der Deutung des Autors William Walker suchte Haber deshalb einen Weg, das Chlor ohne Granaten auszubringen, um sich an den Wortlaut des Vertrags zu halten, wenn auch womöglich nicht an seinen Sinn.4 Haber verwies später darauf, dass Frankreich schon im August 1914 Geschosse mit Tränengas verschossen hatte.4 Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte wertet den Angriff als ersten Einsatz einer Massenvernichtungswaffe.2
Die Zahl der Opfer schwankt je nach Quelle: mindestens 1.000 Tote und 4.000 Verletzte2 oder mehr als 1.100 Tote und 7.000 Verletzte.3 Der Historiker Olivier Lepick schätzte 1998 800 bis 1.400 Tote bei 2.000 bis 3.000 französischen Ausfällen; Elizabeth Greenhalgh hielt die französischen Verluste 2014 für von der Propaganda überhöht.5 Einige Soldaten flohen in Panik, die Kanadier aber hielten ihre Stellung.1 Nach mehreren Tagen chaotischer Kämpfe blieb Ypern in alliierter Hand.1 Die Alliierten zählten in diesen Kämpfen rund 15.000 Ausfälle.4 Die Briten antworteten im September 1915 mit eigenen Chlorgasangriffen; als der Wind drehte, traf das Gas mehr als 2.000 eigene Soldaten.1 Ende 1915 kam Phosgen hinzu, kaum sichtbar und weit tödlicher als Chlor.1
Siehe auch
- Die Haager Landkriegsordnung begrenzt die Mittel des Krieges 1907 Die Regeln, deren Wortlaut der Angriff ausnutzte.
- Genfer Protokoll verbietet 1925 Giftgas, nicht aber dessen Besitz 1925 Zehn Jahre später verboten die Staaten den Einsatz von Giftgas im Krieg.
- Ernährung und Landwirtschaft In Oppau geht 1913 die erste Fabrik in Betrieb, die Ammoniak aus dem Stickstoff der Luft gewinnt 1913 Derselbe Chemiker, zwei Jahre zuvor: Habers Ammoniaksynthese geht in die Großproduktion.
Hierher verwiesen
- Genfer Protokoll verbietet 1925 Giftgas, nicht aber dessen Besitz 1925 Der Gasangriff, nach dem die Staaten das Verbot aushandelten.