--- id: gasangriff-ypern-1915 title: 'Gasangriff bei Ypern: Deutsche Armee setzt 1915 Chlorgas ein' date: '1915-04-22' datePrecision: day dateSources: - s1 - s2 summary: >- Am 22. April 1915 setzte die deutsche Armee bei Ypern erstmals in großem Umfang tödliches Giftgas ein. Die Chlorwolke traf französische und kanadische Linien; die Opferzahlen gehen je nach Quelle auseinander. themeId: theme-aechtung-und-schutz wikidata: - id: Q233219 name: Zweite Flandernschlacht seeAlso: - id: haager-landkriegsordnung-1907 note: Die Regeln, deren Wortlaut der Angriff ausnutzte. - id: genfer-protokoll-1925 note: Zehn Jahre später verboten die Staaten den Einsatz von Giftgas im Krieg. - area: ernaehrung id: haber-bosch-oppau-1913 note: >- Derselbe Chemiker, zwei Jahre zuvor: Habers Ammoniaksynthese geht in die Großproduktion. verification: verified sources: - key: s1 title: Poison Gas publisher: Canadian War Museum url: https://www.warmuseum.ca/firstworldwar/history/battles-and-fighting/weapons-on-land/poison-gas/ accessedAt: '2026-10-14' - key: s2 title: 100 Years of Chemical Warfare (Symposium, 21.–22. April 2015) publisher: Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte url: https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/event/100-years-chemical-warfare accessedAt: '2026-10-14' - key: s3 title: A Brief History of Chemical War publisher: Science History Institute url: https://www.sciencehistory.org/stories/magazine/a-brief-history-of-chemical-war/ accessedAt: '2026-10-14' - key: s4 title: The Kaiser's Grim Reaper (William Walker) publisher: HistoryNet url: https://historynet.com/kaisers-grim-reaper/ accessedAt: '2026-10-14' - key: s5 title: Second Battle of Ypres publisher: Wikipedia url: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Battle_of_Ypres accessedAt: '2026-10-18' disputed: - claim: Opfer des Gasangriffs vom 22. April 1915 positions: - value: mindestens 1.000 Tote und 4.000 Verletzte source: s2 - value: mehr als 1.100 Tote und 7.000 Verletzte source: s3 - value: 800 bis 1.400 Tote bei 2.000 bis 3.000 Ausfällen source: s5 stand: forschung-offen - claim: Menge des freigesetzten Chlorgases positions: - value: 167 Tonnen source: s2 - value: knapp 170 Tonnen source: s3 resolution: >- Kein Widerspruch in der Sache: s3 rundet („nearly 170 metric tons“), s2 nennt die Tonnenart nicht. provenance: origin: recherche model: beschaffer:sonnet createdBy: '/research (manuell, Thema: Epoche Der industrielle Krieg)' reviewedBy: research reviewedAt: '2026-10-14' --- Am 22. April 1915 setzte die deutsche Armee in der Zweiten Flandernschlacht bei Ypern erstmals in großem Umfang tödliches Giftgas ein.[^s1][^s2] Freigesetzt wurden 167 Tonnen Chlorgas.[^s2] Nach einer anderen Angabe waren es knapp 170 Tonnen in 5.730 Flaschen, eingegraben auf einem vier Meilen langen Abschnitt der Front.[^s3] Der Wind trug das Gas als grüngelbe Wolke über die französischen und kanadischen Linien.[^s1] Es war früher Abend, und die französischen Truppen waren auf den Angriff nicht vorbereitet.[^s3] Vorbereitet und geleitet wurde der Angriff von Fritz Haber, dem Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem.[^s2] Haber war selbst vor Ort, um den Einsatz zu beobachten.[^s4] Die Haager Konvention von 1899 verbot giftige Gase in Artilleriegeschossen.[^s4] Nach der Deutung des Autors William Walker suchte Haber deshalb einen Weg, das Chlor ohne Granaten auszubringen, um sich an den Wortlaut des Vertrags zu halten, wenn auch womöglich nicht an seinen Sinn.[^s4] Haber verwies später darauf, dass Frankreich schon im August 1914 Geschosse mit Tränengas verschossen hatte.[^s4] Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte wertet den Angriff als ersten Einsatz einer Massenvernichtungswaffe.[^s2] Die Zahl der Opfer schwankt je nach Quelle: mindestens 1.000 Tote und 4.000 Verletzte[^s2] oder mehr als 1.100 Tote und 7.000 Verletzte.[^s3] Der Historiker Olivier Lepick schätzte 1998 800 bis 1.400 Tote bei 2.000 bis 3.000 französischen Ausfällen; Elizabeth Greenhalgh hielt die französischen Verluste 2014 für von der Propaganda überhöht.[^s5] Einige Soldaten flohen in Panik, die Kanadier aber hielten ihre Stellung.[^s1] Nach mehreren Tagen chaotischer Kämpfe blieb Ypern in alliierter Hand.[^s1] Die Alliierten zählten in diesen Kämpfen rund 15.000 Ausfälle.[^s4] Die Briten antworteten im September 1915 mit eigenen Chlorgasangriffen; als der Wind drehte, traf das Gas mehr als 2.000 eigene Soldaten.[^s1] Ende 1915 kam Phosgen hinzu, kaum sichtbar und weit tödlicher als Chlor.[^s1] Ende der Datei: 5 Quellen.