Babbage plant eine Tic-Tac-Toe-Maschine als zahlende Attraktion
In seinen 1864 erschienenen Erinnerungen beschreibt Charles Babbage eine Maschine, die Tic-Tac-Toe spielen sollte. Als Schau sollte sie Geld für die Analytical Engine einbringen; er verwarf den Plan, weil er zu viel Zeit gekostet hätte.
1864 erschien Charles Babbages Erinnerungsbuch „Passages from the Life of a Philosopher“.2 Darin beschreibt er, wie er nach der Übersetzung von Menabreas Abhandlung und vielen Zeichnungen der Analytical Engine darüber nachdachte, auf welchem geistigen Weg er zu seinen Ergebnissen gekommen war.1 Als Prüfstein wählte er eine Maschine, die ein Spiel rein geistiger Geschicklichkeit erfolgreich spielen sollte, etwa Tic-Tac-Toe, Dame oder Schach.1 Er begann mit Tic-Tac-Toe, dem einfachsten Spiel, das er kannte und das gewöhnlich kleine Kinder spielen.1 Einen Mechanismus, der einen solchen Automaten führen könnte, skizzierte er nach eigenen Worten leicht.1
Dabei kam ihm der Gedanke, auf diesem Weg das Geld für die Fertigstellung der Analytical Engine zu beschaffen.1 Umgeben von ansprechender Ausstattung könne ein solcher Automat eine beliebte und einträgliche Schau ergeben.1 Er dachte an zwei Kinderfiguren, die gegeneinander spielen, begleitet von einem Lamm und einem Hahn: Das siegreiche Kind sollte klatschen, während der Hahn kräht, das unterlegene weinen, während das Lamm blökt.1 Babbage erkundigte sich nach anderen Schauen und erfuhr, dass eine englische Maschine für lateinische Verse und eine deutsche Sprechmaschine finanziell gescheitert waren, während der kleinwüchsige „General Tom Thumb“ seit Jahren das meiste Geld eingebracht hatte.1 Er verwarf den Plan, weil Bau und Betrieb so viel seiner Zeit kosten würden, dass das Geld zu spät käme, um die Analytical Engine noch fertigzustellen.1
1819 hatte Babbage zweimal gegen Wolfgang von Kempelens Schachtürken gespielt und beide Partien verloren; er vermutete, dass der Automat nicht „intelligent“, sondern ein aufwendiger Schwindel war.3 IEEE Spectrum vermutet, die Begegnung habe Babbage angeregt, über Maschinen neu nachzudenken, auch wenn es keine technische Verbindung zwischen dem Türken und der Analytical Engine gebe.3 Eine Studie von Samuel Pizelo an der New York University schreibt Babbage zu, am Ende seines Lebens das erste Computerspiel für Tic-Tac-Toe entworfen zu haben.4 Babbage und Ada Lovelace nutzten Überlegungen zu Spielen, um Algorithmen und Vorhersagen zu entwickeln.4
Siehe auch
- Wolfgang von Kempelen führt am Wiener Hof einen Schach spielenden Automaten vor 1770 Gegen diesen Automaten hatte Babbage 1819 zweimal Schach gespielt und verloren.
- Ein Doktorand lässt den EDSAC Drei gewinnt spielen 1952 Knapp neunzig Jahre später spielt der EDSAC in Cambridge Tic-Tac-Toe.
- Vaucansons Flötenspieler: ein Automat spielt 1738 in Paris Flöte 1738 Ein Automat, für den die Pariser tatsächlich Eintritt zahlten.
Hierher verwiesen
- Maelzel's Chess-Player: Poe will den Schachtürken entlarven 1836 Babbage verlor 1819 zweimal gegen den Türken und zweifelte ebenfalls an seiner Intelligenz.
- Vaucansons Flötenspieler: ein Automat spielt 1738 in Paris Flöte 1738 Auch Babbage dachte an einen spielenden Automaten als zahlende Attraktion.