Vaucansons Flötenspieler: ein Automat spielt 1738 in Paris Flöte
Im Februar 1738 führte Jacques de Vaucanson in Paris einen Automaten vor, der tatsächlich Flöte spielte. Die Pariser zahlten viel Geld, um ihn zu hören, und die Akademie der Wissenschaften nannte ihn äußerst geistreich.
Im Februar 1738 stellte Jacques de Vaucanson im großen Saal des Hôtel de Longueville in Paris seinen Flötenspieler vor.1 Die öffentliche Vorführung begann am 11. Februar 1738 und zog über ein Jahr lang regelmäßig Publikum an.3 Die Figur spielte tatsächlich die Flöte, die sie in ihren hölzernen, mit Leder bezogenen Fingern hielt; Gewichte und Zahnräder im Sockel trieben Nocken und Stangen an.1 Viele Zuschauer gaben einen großen Teil ihres Wochenlohns aus, um den Automaten sein Repertoire von einem Dutzend Stücken spielen zu hören.1
Lippen, die ihre Form änderten und sich vor- und zurückbewegten, und eine Zunge regelten den Luftstrom aus drei Gruppen von Blasebälgen.1 Die Encyclopædia Universalis spricht dagegen von sechs Blasebälgen, die eine Nockenwelle bewegte.4 Gemeinsam ist den Beschreibungen die Gliederung in drei Druckstufen: Drei Sätze von Bälgen gaben der Lunge des Flötisten drei verschiedene Blasdrücke.5 Die sitzende Figur war 1,50 Meter groß und stand auf einem gleich hohen Sockel.4 Entwurf und Bau dauerten von 1731 bis 1738.2 Der Flötist Johann Joachim Quantz fand das Spiel schrill, wohl wegen der begrenzten Bewegung der Lippen.3
Vaucanson legte den Flötenspieler der Académie royale des sciences vor und veröffentlichte 1738 seine Beschreibung „Le Mécanisme du fluteur automate“.1,2 Die Akademie nannte die Maschine äußerst geistreich.3 Später kamen ein Tamburinspieler und eine Ente hinzu, nach der Linda Hall Library noch im selben Jahr,1 nach der Encyclopædia Universalis 1739.4 Die Verdauung der Ente war ein Trick: Das Futter fiel in einen Hohlraum, der Kot kam aus einem eigenen Behälter mit grün gefärbten Brotkrumen.1,4 1742 wurden Flötenspieler und Ente in London ausgestellt.2 Die menschenähnlichen Figuren wurden später zerlegt, schlecht gelagert und gingen verloren oder verbrannten.1
Siehe auch
- Wolfgang von Kempelen führt am Wiener Hof einen Schach spielenden Automaten vor 1770 Gut drei Jahrzehnte später führt Kempelen einen Automaten vor, der Schach zu spielen scheint.
- Babbage plant eine Tic-Tac-Toe-Maschine als zahlende Attraktion 1864 Auch Babbage dachte an einen spielenden Automaten als zahlende Attraktion.
Hierher verwiesen
- Babbage plant eine Tic-Tac-Toe-Maschine als zahlende Attraktion 1864 Ein Automat, für den die Pariser tatsächlich Eintritt zahlten.