--- id: vaucanson-floetenspieler-1738 title: 'Vaucansons Flötenspieler: ein Automat spielt 1738 in Paris Flöte' date: '1738-02-01' datePrecision: month dateSources: - s1 - s3 summary: >- Im Februar 1738 führte Jacques de Vaucanson in Paris einen Automaten vor, der tatsächlich Flöte spielte. Die Pariser zahlten viel Geld, um ihn zu hören, und die Akademie der Wissenschaften nannte ihn äußerst geistreich. themeId: theme-automat-als-schaustueck wikidata: - id: Q109037841 name: Vaucanson Flute Player seeAlso: - id: schachtuerke-kempelen-1770 note: >- Gut drei Jahrzehnte später führt Kempelen einen Automaten vor, der Schach zu spielen scheint. - id: babbage-tic-tac-toe-maschine-1864 note: Auch Babbage dachte an einen spielenden Automaten als zahlende Attraktion. verification: verified sources: - key: s1 title: Jacques de Vaucanson (Scientist of the Day) publisher: Linda Hall Library url: https://www.lindahall.org/about/news/scientist-of-the-day/jacques-de-vaucanson/ accessedAt: '2026-10-13' - key: s2 title: >- Vaucanson's Automata: Complex Enough to Provide a Credible Imitation of Life publisher: Jeremy Norman's History of Information url: https://historyofinformation.com/detail.php?id=412 accessedAt: '2026-10-13' - key: s3 title: 'February 11, 1738: Jacques de Vaucanson Exhibits Flute-playing Automaton' publisher: APS News (American Physical Society) url: https://www.aps.org/apsnews/2018/02/vaucanson-flute-playing-automaton accessedAt: '2026-10-13' - key: s4 title: >- Automate: Vaucanson et le biomécanisme (Jean-Claude Beaune, André Doyon u. a.) publisher: Encyclopædia Universalis url: https://www.universalis.fr/encyclopedie/automate/4-vaucanson-et-le-biomecanisme-les-successeurs/ accessedAt: '2026-10-13' - key: s5 title: 'The Defecating Duck, or, the Ambiguous Origins of Artificial Life' publisher: Jessica Riskin, Critical Inquiry 29 (2003) url: https://users.manchester.edu/Facstaff/SSNaragon/Online/100-FYS-F16/Readings/Riskin,%20DefecatingDuck.pdf accessedAt: '2026-10-15' disputed: - claim: Zahl der Blasebälge positions: - value: drei Gruppen source: s1 - value: sechs source: s4 resolution: >- Die Quellen zählen verschieden: drei Gruppen (s1), drei Sätze von Bälgen für drei Blasdrücke (s5), sechs Bälge (s4). Gemeinsam ist die Gliederung in drei Druckstufen. - claim: Jahr von Tamburinspieler und Ente positions: - value: '1738' source: s1 - value: '1739' source: s4 provenance: origin: recherche model: beschaffer:sonnet createdBy: '/research (Musterlauf: games)' reviewedBy: research reviewedAt: '2026-10-13' --- Im Februar 1738 stellte Jacques de Vaucanson im großen Saal des Hôtel de Longueville in Paris seinen Flötenspieler vor.[^s1] Die öffentliche Vorführung begann am 11. Februar 1738 und zog über ein Jahr lang regelmäßig Publikum an.[^s3] Die Figur spielte tatsächlich die Flöte, die sie in ihren hölzernen, mit Leder bezogenen Fingern hielt; Gewichte und Zahnräder im Sockel trieben Nocken und Stangen an.[^s1] Viele Zuschauer gaben einen großen Teil ihres Wochenlohns aus, um den Automaten sein Repertoire von einem Dutzend Stücken spielen zu hören.[^s1] Lippen, die ihre Form änderten und sich vor- und zurückbewegten, und eine Zunge regelten den Luftstrom aus drei Gruppen von Blasebälgen.[^s1] Die Encyclopædia Universalis spricht dagegen von sechs Blasebälgen, die eine Nockenwelle bewegte.[^s4] Gemeinsam ist den Beschreibungen die Gliederung in drei Druckstufen: Drei Sätze von Bälgen gaben der Lunge des Flötisten drei verschiedene Blasdrücke.[^s5] Die sitzende Figur war 1,50 Meter groß und stand auf einem gleich hohen Sockel.[^s4] Entwurf und Bau dauerten von 1731 bis 1738.[^s2] Der Flötist Johann Joachim Quantz fand das Spiel schrill, wohl wegen der begrenzten Bewegung der Lippen.[^s3] Vaucanson legte den Flötenspieler der Académie royale des sciences vor und veröffentlichte 1738 seine Beschreibung „Le Mécanisme du fluteur automate“.[^s1][^s2] Die Akademie nannte die Maschine äußerst geistreich.[^s3] Später kamen ein Tamburinspieler und eine Ente hinzu, nach der Linda Hall Library noch im selben Jahr,[^s1] nach der Encyclopædia Universalis 1739.[^s4] Die Verdauung der Ente war ein Trick: Das Futter fiel in einen Hohlraum, der Kot kam aus einem eigenen Behälter mit grün gefärbten Brotkrumen.[^s1][^s4] 1742 wurden Flötenspieler und Ente in London ausgestellt.[^s2] Die menschenähnlichen Figuren wurden später zerlegt, schlecht gelagert und gingen verloren oder verbrannten.[^s1] Ende der Datei: 5 Quellen.