Filter

Gilgamesch-Standardfassung wird Sîn-lēqi-unninni zugeschrieben

Belegt durch 7 unabhängige Quellen

ZeitalterAltertum

Zuletzt geändert am

Die babylonische Standardfassung des Gilgamesch-Epos ist die Grundlage aller heutigen Übersetzungen. Die Überlieferung schreibt sie dem Schreiber Sîn-lēqi-unninni zu; datiert wird sie zwischen das 13. und das 11. Jahrhundert v. Chr.

Die babylonische Standardfassung mit zwölf Tafeln ist die Grundlage aller heutigen Übersetzungen des Gilgamesch-Epos.1 Die mesopotamische Überlieferung schreibt das Epos dem Beschwörungspriester und Schreiber Sîn-lēqi-unninni zu.3 Sein Name steht in einem Katalog von Texten und Autoren, nicht auf einer Tafel des Epos selbst.2 Wann die Fassung entstand, geben die Quellen unterschiedlich an: zwischen etwa 1200 und 1000 v. Chr.,1 zwischen dem 13. und dem 11. Jahrhundert v. Chr.5 oder im 11. Jahrhundert v. Chr.4 Der Assyriologe W. G. Lambert setzte Sîn-lēqi-unninni zwischen das 13. und das 12. Jahrhundert v. Chr., an das Ende der kassitischen Herrschaft über Babylon.3

Eine ältere, altbabylonische Fassung stammt aus der Zeit um 1750 v. Chr.1 Sie ist unter dem Titel „Allen anderen Königen überlegen“ bekannt.5 Die Standardfassung hieß in der Antike nach ihrer ersten Zeile „Der die Tiefe sah“.5 Elf Tafeln bilden das eigentliche Epos, die zwölfte überträgt ein sumerisches Gilgamesch-Gedicht über die Unterwelt und wurde angefügt.4 Die Forschung sieht diese zwölfte Tafel überwiegend als Anhang.3 Eine Tafel ist dabei kein Kapitel, sondern ein Maß für die Zeilen, meist zwischen 300 und 360.2

Die am besten erhaltenen Tafeln der Standardfassung wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in den Ruinen der Bibliothek Assurbanipals in Ninive geborgen.1 Die ersten Tafeln dieser Fassung grub Austen Henry Layard in Ninive aus, im Südwestpalast Sanheribs;67 eine Darstellung verortet den Fund im Palast Assurbanipals.5 Als Jahr nennen die Quellen 1849,5 das Frühjahr 18506 oder das Frühjahr 1852.7 Das Tafellager im Nordpalast Assurbanipals fand danach Hormuzd Rassam.67 Die erhaltenen Abschriften stammen aus dem 1. Jahrtausend v. Chr., ihre Vorlagen sind älter.5 Als festgelegter Text blieb die Standardfassung bis zum Ende der Keilschriftliteratur bestehen.4 Wie viel Sîn-lēqi-unninni selbst beitrug, kann niemand sicher sagen,2 und ob die Zuschreibung an einen einzigen Verfasser Zufall ist, gilt als ungeklärt.3

Siehe auch