Der Rat von Palmyra schreibt seine Abgaben in Stein
Im April 137 beschloss der Rat von Palmyra, die Abgaben auf Waren und Dienstleistungen festzulegen und zweisprachig öffentlich aufzuschreiben. Anlass war, dass Kaufleute und Steuereinnehmer darüber immer wieder stritten. Die Inschrift steht heute in der Eremitage.
Am 18. Xandikos des Jahres 448 der seleukidischen Zählung, also im April 137, fasste der Rat von Palmyra einen Beschluss über die städtischen Abgaben.3,2 Bis dahin standen die meisten Abgaben nicht im Steuergesetz, sondern wurden nach Herkommen erhoben, und darüber kam es laut dem Beschluss häufig zu Streit zwischen Kaufleuten und Steuereinnehmern.3 Die Amtsträger sollten die Sätze deshalb festlegen und auf einer Steinsäule gegenüber einem Tempel aufschreiben lassen.3 Der Text ist zweisprachig, auf Griechisch und Aramäisch.1,2
Palmyra war einer der Orte, an denen Kaufleute aus dem Partherreich das Römische Reich betreten durften.4 Der Tarif regelt jedoch vor allem örtliche Abgaben und nicht den Karawanenhandel.2,3 Er nennt Sätze für die Einfuhr und den Verkauf von Sklaven, für Lasten von Olivenöl und Salzfisch auf Kamelen oder Eseln, für Salz und für Dienstleistungen, darunter die von Prostituierten.3 Erhoben wurden die Abgaben von Pächtern: Der Rat vergab einen Vertrag, und die Amtsträger sollten darauf achten, dass der Pächter nicht mehr verlangte als festgelegt.3 Der Text gliedert sich in ein neues Gesetz, ein altes Gesetz und einen Erlass des römischen Statthalters Mucianus; er verweist auf frühere Entscheidungen römischer Amtsträger wie Germanicus und Corbulo.2,4
Semjon Abamelek-Lasarew fand die Inschrift 1881; 1901 schenkte Sultan Abdülhamid II. sie Zar Nikolaus II., seither steht sie in der Eremitage in Sankt Petersburg.1 Sie gilt als längste aramäische Steininschrift, die bisher gefunden wurde, und als längste der palmyrenischen Inschriften.1,2 Der Althistoriker John Matthews bezeichnete sie als eines der wichtigsten Einzelzeugnisse für das Wirtschaftsleben eines Teils des Römischen Reiches.1
Siehe auch
- Das Zollgesetz der Provinz Asia erhält seine jüngste überlieferte Fassung 62 Fünfundsiebzig Jahre früher hielt schon eine Inschrift in Ephesos die Zollvorschriften einer ganzen Provinz fest.
- Vier Kaiser setzen Höchstpreise für rund 1400 Waren und Dienstleistungen fest 301 Auch hier setzt eine Obrigkeit Zahlen für einzelne Waren fest — dort den Höchstpreis, hier die Abgabe.
- Diedenhofener Kapitular lässt Händler an neun Orten prüfen 805 Sieben Jahrhunderte später kontrolliert wieder eine Reichsgewalt den Handel an ihrer Grenze.
Hierher verwiesen
- Kunst Staatsanwaltschaft Manhattan gibt Syrien 36 Antiken zurück 2026 Ein Steindokument aus derselben Oasenstadt Palmyra.
- Diedenhofener Kapitular lässt Händler an neun Orten prüfen 805 Ein früheres Regelwerk für den Handel an einer Reichsgrenze, dort mit festen Sätzen statt Verboten.
- Das Zollgesetz der Provinz Asia erhält seine jüngste überlieferte Fassung 62 Drei Generationen später steht auch in Palmyra ein Abgabentarif öffentlich in Stein.